Die Gesichter, Tom Rachman

Die Gesichter

Roman

Tom Rachman

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Tiefstürzend und hochfliegend: die nachdenklich stimmende Geschichte einer ergreifenden Vater-Sohn-Beziehung

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  • 5 Sterne

    Anne H., 06.08.2018

    Der große Künstler: exzentrisch – egozentrisch
    Bear Bavinsky ist Maler. Spezialisiert hat er sich auf Akte, wobei seine „Spezialität“ Körperausschnitte sind. Nie zeigen seine Werke den ganzen Körper seiner Modelle, sondern nur einen Teil. Einen Arm, die Hände, den Hals. Zumindest die Werke, die man kennt, die überhaupt jemals jemand außerhalb seines Ateliers zu Gesicht bekommen hat. Denn Bear malt nicht für den Markt, für die Sammler, die Galeristen. Sein erklärtes Ziel ist es, je ein Werk in jedem bedeutenden Museum der Welt zu wissen und so macht er ein Riesengeheimnis aus seiner Malerei und seiner Person, seinem täglichen Tun und seinen Aufenthaltsorten. Ein Exzentriker wie er im Buche – oder eben in diesem Fall an der Staffelei steht. Es erinnert insgesamt ein wenig an den Autor John D. Salinger.
    Dazu besitzt er ein unstetes Gemüt, ist kein verlässlicher Ehemann und Vater, als wären diese alltäglichen Dinge, menschliche Beziehungen und Kommunikation außerhalb seiner Sphäre, als könne er sie nicht einmal wahrnehmen, da seine Sinne nur auf die Malerei geeicht sind. Und so bringt er es dann im Laufe seines Lebens auf eine stattliche Anzahl Ehefrauen und insgesamt siebzehn Kinder, doch für sie alle interessiert er sich nur sehr kurzfristig, außer für Charles, genannt Pinch aus dessen Perspektive Rachmans Roman „Die Gesichter“ erzählt wird. Geboren 1950 in Rom während Bears Ehe mit der viel jüngeren Keramikerin Natalie, wird er zu so etwas wie Bears Lieblingssohn – und sogar zu ihm pflegt er nur sporadischen Kontakt, Enttäuschungen sind eigentlich an der Tagesordnung, auch wenn sie manchesmal nicht als solche gesehen werden, weil es zu schmerzhaft wäre. Der Künstlervater, dessen Verhältnis zu seiner Mutter prägt Pinchs gesamtes Leben, seine Interessen, jede Entscheidung, die er im Leben treffen wird: als Jugendlicher zu malen, es zu lassen, in die USA zu gehen, in London als Sprachlehrer zu arbeiten, die Art und Weise wie er Freundschaften und Beziehungen angeht, pflegt und in den Sand setzt – alles ist immer geprägt von dem einmaligen Egozentriker Bear, Bears Aussagen bei den gelegentlichen kurzen Telefonaten, Pinchs Interpretation dessen, den Geschehnissen in der Kunstwelt an sich und Bears Verhalten gegenüber seinen Nachkommen. Pinch hadert, Pinch ist wütend, Pinch manövriert sich irgendwann in eine schwierige Situation, die alles ändert – und rückt damit letztlich seinen eigenen Platz irgendwie zurecht, auch wenn es keiner weiß.
    Tom Rachman ist ein großartiger Geschichtenerzähler. Seine Bücher sind nicht belanglos und leicht, aber oft in einem leichten, hintergründig humorvollen und zugleich so intelligenten Tonfall gehalten, der mich einfach begeistert. Auch in diesem Werk liegt in den Personen die große Stärke. Dem wirklich unglaublich großen Egoisten Bear, der nur sich, seinen Zeitplan, seine Sicht auf die Dinge überhaupt wahrnimmt. Der ruhige Charles/Pinch, unsicher, leise, jemand der potenzielle Dates zu Hause übt, Natalie, Marsden, Jing – sie alle hat man plastisch vor Augen, ihre Charakterzeichnungen sind so fein und präzise, dass man manchmal glaubt, ihre Mimik beim Lesen wahrnehmen zu können. Sie machen einen mitunter wütend (Bear mit seiner Ignoranz, Charles mit seiner Passivität, Natalie mit ihrer Lethargie) und sie lassen einen mitfühlen. Und das macht „die Gesichter“ zu einem großen Lesegenuss.

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    janein
  • 5 Sterne

    Cosmea, 07.08.2018

    Aus mir wurde, was ich verdient habe
    In Tom Rachmans drittem Roman “Die Gesichter“ ((Originaltitel: “The Italian Teacher“ ) geht es um eine ganz besondere Vater-Sohn-Beziehung. Bear Bavinsky, der berühmte Maler, lebt nur wenige Jahre in Rom mit seiner dritten Ehefrau Natalie und seinem Sohn Charles , genannt Pinch, zusammen, bevor er sie für eine andere Frau verlässt, mit der er bereits Kinder hat. Natalie ist Töpferin und will sich ebenfalls als Künstlerin durchsetzen. Ihr Mann fördert diese Bestrebungen nicht, sondern hindert sie an ihrer künstlerischen Entfaltung. Charles liebt und bewundert seinen Vater. Ein Leben lang wird er versuchen, seine Liebe und Anerkennung zu erringen. Er ist der eigentliche Protagonist des Romans. Beginnend im Jahr 1950 bis zu seinem Tod im Jahr 2018 wird sein Leben im Schatten des großen Mannes erzählt. Für Bear Bavinsky ist nur er selbst wichtig. Seiner Kunst muss sich alles andere unterordnen. Birdie, eines seiner siebzehn Kinder, wird nach seinem Tod formulieren „Ach, Daddy. Die Kunst war so viel besser als der Mensch.“ (S. 364). Auch Charles will Maler werden, und seine Mutter hält ihn für sehr talentiert. Sein Vater Bear beendet jedoch nach einem flüchtigen Blick auf ein Bild seines Sohnes diese Ambitionen mit einem einzigen grausamen Satz: “…aber ich muss dir sagen, Kiddo, ein Maler bist du nicht, und du wirst auch nie einer werden.“ (S. 99). In Wirklichkeit duldet er lediglich keine Konkurrenz und schon gar nicht aus der eigenen Familie. Gegen Ende seines Lebens, als es für alles fast zu spät ist, macht er Charles zu seinem Nachlassverwalter und betont seine besondere Stellung in der Reihe seiner Nachkommen. Geprägt von einem egozentrischen Giganten mit zahlreichen Ehefrauen und unzähligen Geliebten bleibt für Charles bis dahin jedoch nur ein Leben in der Mittelmäßigkeit, ein immerwährendes Scheitern in privaten Beziehungen und in seinem beruflichen Werdegang. Er wird nicht Künstler, auch nicht Kunsthistoriker und Biograph seines Vaters, sondern Lehrer für Italienisch an einer unbedeutenden Londoner Sprachschule. Am Ende bleiben ihm Marsden McClintock, ein Freund aus der Studienzeit, und Kollegin Jing aus der Sprachschule. Sie sind die einzigen außer dem Leser, die wissen, dass Charles schließlich einen nicht ganz ungefährlichen Weg gefunden hat, sich selbst seinen Wert zu beweisen. Er sucht keinen Schuldigen für sein lebenslanges Versagen.
    Der Roman zeichnet jedoch nicht nur exemplarisch das Leben eines Sohnes im Schatten eines übermächtigen Vaters nach. Es geht auch um eine Vielzahl anderer Themen. Steht der bedeutende Künstler über der Moral und kann rücksichtslos tun und lassen, was er will? Was ist Kunst, und wer bestimmt ihren Wert? Welche Rolle spielen dabei Galeristen und alle anderen, die mit der Kunst Geschäfte machen? Wie wichtig ist Authentizität?
    Mir hat der Roman sehr gut gefallen, und ich habe mich keinen Augenblick gelangweilt. Neben Einblicken in die Kunstwelt gibt es sehr traurige Episoden, aber auch Humor und Bonmots wie die Aussage, dass Leute mit Geld über Kunst reden, Künstler dagegen nur über Geld. Ein sehr empfehlenswerter Roman.

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    janein
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