Stauffenberg - mein Großvater war kein Attentäter

 
 
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Das Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 ist eines der wichtigsten Daten der jüngeren deutschen Geschichte. Im Zentrum des Interesses steht seit jeher Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der die Pläne zum Umsturz vorangetrieben hat und den Sprengsatz...
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Das Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 ist eines der wichtigsten Daten der jüngeren deutschen Geschichte. Im Zentrum des Interesses steht seit jeher Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der die Pläne zum Umsturz vorangetrieben hat und den Sprengsatz...
Kommentare zu "Stauffenberg - mein Großvater war kein Attentäter"
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  • 4 Sterne

    7 von 11 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich

    Jennifer H., 01.07.2019

    Als eBook bewertet

    Sophie von Bechtolsheim, geb. 1968, ist nicht nur eine Enkelin des deutschen Widerständlers Claus Schenk Graf von Stauffenberg, sondern auch Historikerin. Als solche lehnt sie es kategorisch ab, ihren Großvater als Attentäter zu bezeichnen, weil dieser nicht mit den heutigen Terroristen bzw. Attentätern gleichzusetzen sei, denen es vorrangig nur um Zerstörung und Ausrottung gehe. Die Widerstandsgruppe um den 20. Juli 1944 wollte nämlich ein neues, politisch gerechtes System begründen. Dafür erachteten sie die Ermordung Hitlers allerdings als unumgänglich. Dass es im Nachgang gerade ihr Großvater ist, der immer im Fokus der Öffentlichkeit steht, wenn es um den 20. Juli 1944 oder den Widerstand gegen Hitler geht, ist ihr eine zu eindimensionale Sichtweise. Es gab unzählige Personen neben Stauffenberg, die bereit waren, für eine neue Ordnung ihr Leben zu lassen, über die aber wenig bis gar nicht gesprochen wird. Diese ungenügende Betrachtungsweise und gleichzeitige Instrumentalisierung, gar Überhöhung ihres Ahnen goutiert sie daher keinesfalls.

    Sophie von Bechtolsheim konnte ihren Großvater leider nicht kennenlernen. Ihr Wissen stammt daher größtenteils aus Gesprächen mit ihrem Vater Franz Ludwig, ihrer Großmutter Nina und aus überlieferten Quellen (Briefen, Fotos etc.). Dementsprechend hat sie es sich, gerade auch als Historikerin, nie leicht gemacht Stellung zu einem ihr fremden Mann zu beziehen. Bis heute hat sie Probleme damit, allein auf die "heroische Tat" reduziert und entsprechend hofiert zu werden. Diese Beweihräucherung betrieben weder ihre Großmutter noch die anderen Verwandten.

    Im vorliegenden Buch geht es hauptsächlich um den Privatmann Claus Schenk Graf von Stauffenberg, aber auch um den 20. Juli 1944 und dessen Folgen bzw. Stauffenbergs Pläne für danach. Die dürftige Quellenlage und die Hinrichtung am 21. Juli 1944 lassen bis heute nur Spekulationen zu. Wichtiger ist der Autorin aber, was für ein Mensch ihr Großvater gewesen ist. Um sich der "Überfigur" zu nähern, hat sie, so mein Eindruck, vor allem das Buch ihrer Tante Konstanze von Schultheiss genutzt. Denn viele Passagen aus der genannten Biografie über Großmutter Nina kamen mir bekannt vor. Wer Schultheiss' Buch gelesen hat, der wird also nicht viel Neues erfahren, eher Altbekanntes wiederfinden. Bechtolsheims 75-seitige Familiengeschichte ist trotzdem lesenswert. Das liegt nicht nur am baldigen 75. Gedenktag des Attentats, sondern vor allem an den vielen Einblicken ins Stauffenberg'sche Privatleben. Von den Großeltern Claus und Nina über den Vater Franz Ludwig bis zu Enkelin Sophie wird der Bogen gespannt. Meine Highlights waren die Schilderungen über Stauffenbergs Charakter und Eigenheiten sowie die großmütterliche Kritik an bekannten neuzeitlichen filmischen Inszenierungen (Operation Walküre und Stauffenberg (Der Film)).

    FAZIT
    Persönlicher Annäherungsversuch an den medial überhöhten Großvater, der zwischen den Zeilen viel Stolz und Dankbarkeit offenbart. Spannend bleibt, wie in Zukunft über Stauffenberg und dessen Attentat gesprochen und gerichtet werden wird.

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    janein
  • 5 Sterne

    4 von 7 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich

    Chrogle 🇫🇷🇨🇭🇬🇧 If you have knowledge, let others light their candles with it, 17.08.2019

    Als eBook bewertet

    Diese Biografie kommt dem Mensch Claus Schenk Graf von Stauffenberg wohl am Nächsten. Absolut lesenswert wie sich seine Enkelin behutsam dem Thema annähert.

    War dieser Kommentar für Sie hilfreich?

    janein
  • 5 Sterne

    1 von 5 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich

    Sigrid K., 11.07.2019 bei Jokers bewertet

    Als Buch bewertet

    Held oder Attentäter?

    Als die 1968 geborene Sophie von Bechtolsheim als Jugendliche mit der Fahndung nach den RAF-Terroristen konfrontiert wird, beginnt sie zu hinterfragen, ob auch ihr Großvater - Claus Schenk Graf von Stauffenberg – als Terrorist einzuordnen ist. Immerhin hat er mit etlichen Mitstreitern am 20. Juli 1944 versucht, Hitler und seine Konsorten aus dem Weg zu räumen. Sie waren bereit alles auf eine Karte zu setzen und ihr Leben zu riskieren, um dem Terrorregime der Nazis ein Ende zu bereiten.

    Im Fokus des 20. Juli wird immer Stauffenberg genannt, obwohl er natürlich nicht alleine die Verantwortung für Planung, Durchführung und letztendlich das Scheitern dieses Attentats trug. Mit ihm mussten ca. 200 Leute ihr Leben lassen, was auch die Autorin und Historikerin hier hervorhebt.

    Doch wie unterscheidet man wirklich zwischen den Terroristen der heutigen Zeit und den Attentätern, die Hitler beseitigen wollten? Ist Mord nicht gleich Mord? Wie begegnet man einem Großvater, den man nur aus dem Geschichtsbuch kennt?

    Mit viel Empathie arbeitet die Autorin ihre Familiengeschichte auf, erzählt persönliche Geschichten ebenso wie politische Zusammenhänge. Ihren Großvater durfte sie ja persönlich nicht kennenlernen, doch ihre Großmutter Nina hat ihr Leben lang sein Andenken bewahrt und wusste als Zeitzeugin vieles zu berichten. Schriftliche Dokumente sind leider nur wenige erhalten, ebenso Fotos aus dieser Zeit – zu groß war die Angst vor Entdeckung von Unterstützern der Widerstandskämpfer.

    Interessant fand ich, wie die Familie zu diversen Filmumsetzungen (Operation Walküre, …) steht. Ebenso werden diverse Gedenkveranstaltungen nur sporadisch besucht. Die Enkelin schreibt hier auf eine sehr persönliche Art und Weise und – nein, ihr Großvater war definitiv kein Attentäter. Nachdem ich erst kürzlich das Buch von Konstanze von Schultheiss über Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg gelesen habe, war mir vieles schon bekannt.

    Ein interessanter Ausflug in die Familie der Stauffenbergs, die auch heute noch weit verzweigt ist, obwohl Himmler ursprünglich versprochen hatte die Stauffenbergs „auszurotten“. Gerne vergebe ich hier 5 Sterne.

    War dieser Kommentar für Sie hilfreich?

    janein
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