Kenneth Branagh

Kraftvoller, dynamischer und energiegeladener wurden seit Orson Welles' "Falstaff" (1965) keine Shakespeare-Stücke mehr verfilmt. Mit viel Gespür für optische Opulenz entschlackte und modernisierte Kenneth Branagh als Schauspieler und Regisseur die Dramen des Dichters - 1988 "Henry V." und vor allem 1992 "Viel Lärm um nichts" - und machte sie wieder zugänglich. Branaghs Erfolg wurde als "Volle Pulle Shakespeare" kritisiert, änderte aber nichts an seinem außerordentlichen Gespür für filmisches Timing, das aus Bühnenwerken temporeiches Kino machte, ohne den Gehalt und die Konflikte der Stücke zu verwässern; im Gegenteil: Was in ihnen steckt, wurde durch die neuen Arrangements deutlicher. Das gilt selbst für den kompletten vierstündigen "Hamlet", in dem Branagh als Dänenprinz in differenziertester Weise die vielen widersprüchlichen Seiten in Hamlets Psyche auslotete. Mit den Filmen Branaghs wurde in den 90er-Jahren zugleich eine Welle höchst unterschiedlicher Adaptionen Shakespeares ausgelöst. Branagh, Jahrgang 1960, irischer Arbeitersohn, der von der Londoner "Royal Academy of Dramatic Art" als Jahresbester für seinen "Hamlet" ausgezeichnet und von der "Royal Shakespeare Company" engagiert wurde, gründete 1987 die "Renaissance Company", mit der er die Filmarbeit begann und unter anderem das Shakespeare-Stück "Verlorene Liebesmüh" als Hollywood-Musical inszenierte.

Als Darsteller war Branagh, ob als Privatdetektiv in "Schatten der Vergangenheit", Schauspieler in "Peter's Friends", Frankenstein in "Mary Shelley's Frankenstein", Anwalt in "The Gingerbread Man", als Künstler in "Vom Fliegen und anderen Träumen", als Journalist in Woody Allens "Celebrity" oder als verrückter Wissenschaftler in "Wild Wild West" so dominierend und unkonventionell, dass ihn die Kritik als "eitel" bezeichnete, was höchstes Profikönnen war. Er spielte sogar einen Lehrer von "Harry Potter". 2006 war Branagh gleich mit zwei Regiearbeiten präsent, dem von HBO produzierten Shakespeare-Klassiker "As You Like It" und der in Venedig und Toronto gezeigten Mozart-Adaption "The Magic Flute".

Im darauf folgenden Jahr setzte der Brite seine Landsmänner Michael Caine und Jude Law für die Neuverfilmung von "1 Mord für 2" in Szene. 2011 kam Branaghs Adaption des Marvel-Comics "Thor" in die Kinos. Hier stemmte er erstmals ein großes Franchise-Projekt für ein Studio. Die Fortsetzung "Thor - The Dark World" produzierte er mit. Als introvertierter, brummeliger Kommissar stand er für die BBC-Verfilmungen der Wallander-Krimis von Henning Mankell vor der Kamera.

Für seine Verdienste ehrte ihn die englische Königin 2012 mit dem Ritterschlag und machte den gebürtigen Belfaster zum "Sir". Bei den Oscars ging Branagh dagegen bisher jedes Mal leer aus. Fünfmal war er nominiert, als bester Hauptdarsteller, Drehbuchautor, Regisseur, für den besten Kurzfilm und als bester Nebendarsteller - und immer ging die begehrte Trophäe an einen Konkurrenten.

Branagh war von 1989-1995 mit Emma Thompson verheiratet, die Hauptrollen in seinen Filmen spielte, und lebte von 1995 - 2000 mit Helena Bonham-Carter zusammen. 2003 ging er mit der Grafikerin Lindsay Brunnock den Bund der Ehe ein.

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