Kevin Costner

Kevin Costners Karriere hatte nicht gerade einen Blitzstart. Da er zu jenen Menschen zählt, die sich nicht ohne gründliche Vorbereitung in ein Abenteuer stürzen, besuchte er nach seinem Studium 1978 zuerst einige Theaterworkshops und nahm Sprechunterricht.

Gut 25 Jahre später hat Costner sowohl auf der Leinwand als auch als Produzent und Privatmensch so manchen Gipfel erstürmt - aber auch das eine oder andere Waterloo erlebt.

Er beeindruckte zwar anfangs einige Regisseure, doch die wussten nicht so recht, wie sie ihn einsetzen sollten. Ja, der junge Mann hatte Talent, aber auch eine gehörige Portion Eigensinn: Er lehnte Rollen ab, die später an Mel Gibson oder Jeff Bridges gingen.

Die Figuren, die er dann tatsächlich spielte, bekamen meist die Hand des Cutters zu spüren. Seine Liebesszene mit Jessica Lange fehlt in "Frances", und seine Rolle in Lawrence Kasdans Drama "Der große Frust" wurde zur Drehbuchleiche verstümmelt. Im Film ist er nur als Foto in einem silbernen Bilderrahmen zu sehen, den immer wieder mal jemand in die Hand nimmt.

Aber genau dieser Auftritt als Schattenmann war es, der sich für ihn doch noch auszahlen sollte. Denn Regisseur Kasdan war von der Arbeit mit Costner begeistert und engagierte ihn ein Jahr später für den Western "Silverado". Mit Kevin Kline, Brian Dennehy und Rosanna Arquette konnte Costner endlich beweisen, dass in ihm ein Vollblutschauspieler steckt.

Außerdem durfte er hier mit einer seiner weiteren großen Begabungen glänzen: Costner ist ein exzellenter Reiter.

Als er dann in Brian De Palmas "Die Unbestechlichen" mit viel Getöse Gangsterlegende Al Capone zur Strecke brachte, eroberte er endgültig das Kinopublikum, besonders das weibliche. Mit seinen Auftritten als strumpfhosenbekleideter "Robin Hood" und als nicht nur im Personenschutz unschlagbarer "Bodyguard" sicherte sich Costner seinen Platz in der Schmachtgalerie einer ganzen Kinogeneration.

Davor hatte er sich 1990 als Hyphenate versucht - so nennt Hollywood die ganz Mutigen, denen ein Film derart am Herzen liegt, dass sie gleich mehrere Funktionen übernehmen, um ihre Idee auf die Leinwand zu bringen. Costner war Produzent, Regisseur und Schauspieler in Personalunion. Das ehrgeizige Projekt: "Der mit dem Wolf tanzt" - die Wiedergeburt des Western.

Brancheninsider schlossen damals schon Wetten ab, dass sich Costner mit seinem Projekt gewaltig übernehmen würde: "Das Genre ist tot, der Film ist zu lang und hat zu viele Untertitel", so die einhellige Meinung der selbst ernannten Spezialisten. Sie hatten Unrecht. Der Film war der größte Erfolg des Kinojahres 1991 und errang sieben Oscars.

Mit "JFK" und "Perfect World" konnte Costner seinen Ruf als Schauspieler festigen. Doch mit "Waterworld" versenkte er sein neues Image gleich wieder - und mit ihm etliche Millionen Dollar.

Etwa zur gleichen Zeit verließ Cindy Costner ihren Mann, und immer wieder tauchten Skandalgeschichten über Kevin in den Klatschblättern auf. Sein Ruf als braver Ehemann und dreifacher Vater war zerstört.

1998 brachte Costner seine nächste Eigenproduktion, das Endzeitdrama "The Postman", in die Kinos. Wieder ein wahres Spektakel, wieder ein Riesenprojekt. Der Film konnte sich in Amerika nur drei Wochen auf der Leinwand halten.

Doch Costner gab nicht auf. Der Lohn: Die Romanverfilmung "Message in a Bottle" wurde in Amerika hoch gelobt. Costner spielt den Sohn von Paul Newman in einer romantischen Liebesgeschichte mit Traumbesetzung.

Dann war er im Baseballfilm "Aus Liebe zum Spiel" zu sehen. Wer Baseball mag, dem gefällt er.

In "Thirteen Days" gab es dann ein Wiedersehen mit JFK: Als die CIA dem amerikanischen Präsidenten meldet, dass "die Russen" auf Kuba Atomraketen stationiert haben, ringt er 13 Tage lang um eine angemessene Reaktion - und die Welt hält 13 Tage lang den Atem an.

Seine weiblichen Fans hatte der smarte Kevin trotz harter Politik nicht vergessen. Als Joe Darrow erlebte er in "Im Zeichen der Libelle" eine Liebe, die stärker ist als der Tod.

Und auch in "An Deiner Schulter" gab er wieder einmal den romantischen Frauenversteher, der seiner Nachbarin Joan Allen hilft, die Trennung von ihrem Mann zu verschmerzen.

Die Frauen einer ganzen Familie lagen ihm zuletzt in "Wo die Liebe hinfällt" zu Füßen. Als Millionär Beau Burroughs soll er vor Jahren mit der Mutter von Jennifer Aniston durchgebrannt sein, nachdem ihn deren Großmutter verführt hat. Und auch Sarah (Aniston) ist sich nicht ganz sicher, ob sie dem Mann widerstehen kann.

Mit "Crime Is King" durchbrach er jedoch jedes seiner Rollenklischees: Er spielte ein Schwein. Im Elvis-Kostüm schoss und pöbelte sich Costner 2002 durch den exzessiven Actiontrasher und trug ein tödliches Duell mit Kurt Russell aus.

Costner in einem derart deftigen Film in bester Tarantino-Tradition zu sehen war mehr als überraschend. In Würde altern will er offenbar nicht, lieber liefert er seinen langjährigen Kritikern den endgültig den Beweis seiner Wandlungsfähigkeit.

Der 51-Jährige setzt weiter auf häufigen Genrewechsel: Auf den Western "Open Range" folgten romantische Komödien. Jetzt kommt Costner als traumatisierter Star-Rettungsschwimmer in dem Actionfilm "Jede Sekunde zählt - The Guardian" ins Kino und zeigt Ashton Kutcher den Stoff, aus dem echte Helden sind.

Sein privates Glück hat Costner auch wieder gefunden. Seit 25. September 2004 ist er mit Christine Baumgartner verheiratet.

15 Jahre sind seit seinem größten Erfolg, "Der mit dem Wolf tanzt", vergangen, in denen er so manche Pleite einstecken musste. Doch ein echter Cowboy lässt sich bekanntlich nicht so schnell aus dem Sattel stoßen.

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