Lajos Koltai

Ungarischer Kameramann und Regisseur. Einer der besten Kameramänner der Welt, hat der in Europa und den USA filmende Ungar Lajos Koltai seit 1970 in 70 Filmen die Kamera geführt. Als er 2004 sein Regiedebüt vorlegte, sagte er: "Ich kann nur durch die Sicht der Kamera denken und gar nicht anders Regie führen." Zu Koltais Ästhetik gehört eine ausgefeilte Farbdramaturgie, die mit nicht zu farbigen Werten spezifische Atmosphären schafft. Koltai liebt es, bei historischen Stoffen die Farbskala im Lauf des Films zu verändern, abzudunkeln und Farben abzubauen. Er arrangiert eindrucksvolle Gruppenszenen und schafft mit langen Kamerafahrten und Schwenks Beziehungen und Interaktionen. Die schwebende Eleganz seiner Kameraarbeit fand ihren Höhepunkt in Giuseppe Tornatores "Der Zauber von Malena" (2001), wo er Hauptdarstellerin Monica Bellucci und das sizilianische Dorf im Cinemascope-Format umschmeichelt. Er wurde für "Malena" mit dem David di Donatello ausgezeichnet und für den Oscar nominiert.

Bekannt wurde Koltai durch seine Zusammenarbeit mit Ungarns bedeutendstem Regisseur und Oscar-Preisträger István Szabó, für den er seit 1979 ("Zimmer ohne Ausgang/Vertrauen") bei 14 Filmen die Kamera führte. Die Trilogie "Mephisto" (1980), "Oberst Redl" (1984) und "Hanussen" (1987) - drei Filme zur europäischen Geschichte im 20. Jahrhundert am Beispiel dreier schillernder Persönlichkeiten im Spannungsfeld von Kunst und Macht - etablierte das Trio, zu dem Klaus Maria Brandauer als Hauptdarsteller zählt, international. Für Regisseur Brandauer filmte Koltai das Drama um Hitler-Attentäter "Georg Elser" (1989) und die Thomas-Mann-Adaption "Mario und der Zauberer" (1995). Für Szabó nahm er TV-Filme ("Der grüne Vogel"), das Lehrerinnen-Drama "Süße Emma, liebe Böbe" (1991, mit Johanna ter Steege), das Musikerdrama "Zauber der Venus" (1991, mit Glenn Close), das Familien-Epos "Ein Hauch von Sonnenschein" (1999), das Gewissensdrama "Taking Sides - Der Fall Furtwängler" (2001, mit Stellan Skarsgard) und die Theaterkomödie "Being Julia" (2005, mit Annette Bening) auf.

Lajos Koltai wurde 1946 in Budapest geboren. Nach dem Schulabschluss und einem Jahr als Fernsehkameramann ist er der jüngste Student, der 1965 an der Budapester Hochschule für Kunst und Film aufgenommen wird. Sein Lehrer ist György Illés, der auch Vilmos Zsigmond und Laszlo Kovacs ausbildete. 1970 verlässt Koltai die Hochschule, an der er seit 1983 wieder als Dozent tätig ist. Er beginnt mit Dokumentar- und Kurzfilmen, dreht 1971 seinen ersten Langfilm und arbeitet mit Márta Mészáros ("Adoption", 1975) und Pál Gábor ("Angi Vera", 1979). 1987 nimmt Koltai mit dem Drama "Gabi - Eine wahre Geschichte" (mit Liv Ullman) seinen ersten amerikanischen Film auf, dem das Road Movie "Homer & Eddie" (1989), das Gangsterepos "Die wahren Bosse" (1991), das Drama "Frühstück bei ihr" (1990, mit Susan Sarandon), der Thriller "Im Sumpf des Verbrechens" (1995, mit Sean Connery) und Jodie Fosters Regiedebüt "Familienfest und andere Schwierigkeiten" (1996) folgen.

Mit dem bildkräftigen KZ-Drama "Fateless", der Verfilmung von "Roman eines Schicksallosen" von Literaturnobelpreisträger Imre Kertesz, legte Koltai 2004 sein viel diskutiertes Regiedebüt vor, dessen neuer Blick auf den Holocaust durch die Perspektive eines naiven Vierzehnjährigen verstörte. 2007 entstand sein zweiter Spielfilm, "Evening - Spuren eines Lebens", ein Familienmelodram auf zwei Zeitebenen, besetzt mit den renommierten Schauspielerinnen Vanessa Redgrave, Toni Colette, Natasha Richardson und Claire Danes.

Lajos Koltai wurde 1999 für Tornatores "Die Legende vom Ozeanpianisten" mit dem David di Donatello und dem Europäischen Filmpreis ausgezeichnet, gewann vier weitere Kamerapreise. Sein Spitzname: Sutyi.

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