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Martina Gedeck

Schön und stolz, echt und erotisch, attraktiv und arbeitswütig, wandelbar und wunderbar, ein Chamäleon und furioses Vollweib. Martina Gedeck, zweifache Preisträgerin des Deutschen Filmpreises (1997 und 2002), ist dabei gänzlich unkokett, zeigt mit der Pilsflasche beim Gespräch Bodenhaftung und ist doch Star von europäischem Format wie ihre Kollegin Carmen Maura. Ihre geschmeidige erotisierende Wirkung geht von einer verführerischen samtsanften Stimme und einem Blick aus, der mal in sich gekehrt, mal schweifend wirkt, aber wenn er sein Ziel im Visier hat, um seine Wirkung weiß. Dies stellte sie auch unter Beweis, als sie 2005 für Oskar Roehlers "Elementarteilchen", die Verfilmung des gleichnamigen Skandalromans von Michel Houellebecq, vor der Kamera stand.

Als Kellnerin Seraphina in Helmut Dietls "Rossini" macht sie aus "Gnocchi" eine Liebeserklärung und knallt nach der missglückten Liebesnacht den Teller kommentarlos auf den Tisch: ein Kabinettstück leiser Komikerotik. Sie hat es mit kulinarischen Kostbarkeiten als Tante, die in "Der Neffe" einen Teenie verrückt macht, und in ihrem größten Erfolg in einer Hauptrolle als Küchenchefin, die selbst den Therapeuten bekocht, in "Bella Martha". Als Mutter in "Stadtgespräch" zerdrückt sie vor Rivalin Katja Riemann die Orange in der Hand und stählt sich im Fitness-Studio.

Gedeck zelebriert gekonnt lustvoll sinnliche Spiele, die Verführung zu einer Kunst machen. Sie lässt sich als Proll-Tussi von ihrem Macker (Armin Rohde) mit nacktem Po anturnen ("Das Leben ist eine Baustelle") und treibt es mit Heino Ferch in "Grüne Wüste" auf der Küchenanrichte. In "Viehjud Levi" zelebriert sie als Sekretärin und Geliebte eines Nazi-Funktionärs die Erotik der Strumpfbänder und in "Harald" verwirrt sie einen Außerirdischen mit ihrem Sex-Appeal. Bei aller Sinnlichkeit scheint Komik durch, beißend wie in "Frau Rettich, die Czerni und ich" oder in dem österreichischen Fernsehfilmdoppel "Single Bells" und "O Palmenbaum", wo die Familie ihre Sinnlichkeit ignoriert.

Geboren 1961 in München und in Landshut und Berlin aufgewachsen, wo sie am Max-Reinhardt-Seminar ausgebildet wurde, begann Gedeck auf dem Theater, wo sie ihren Lebensgefährten Ulrich Wildgruber kennen lernte, der ihr 1999 einen Abschiedsbrief hinterließ und auf Sylt ins Meer ging, weshalb Gedeck nicht an der Verleihung des Bayerischen Filmpreises teilnehmen konnte. Für den Film entdeckt wurde sie von Dominik Graf, der sie in "Die Beute" (1986) als Kellnerin und Privatdetektivin und in "Tiger, Löwe, Panther" als unentschlossene Lehrerin und Hobby-Journalistin einsetzte.

In ihren zahlreichen TV-Rollen ist Gedeck fast immer Frau unter Einfluss: als bucklige Bäuerin in "Hölleisengretl" (Bayerischer Fernsehpreis 1995), als Bäuerin, die ihren todkranken Mann ermordet ("Verlorenes Land"), als Sekretärin, die einem Stasi-Spitzel verfällt ("Romeo"), als englische Tochter eines Nazi-Mörders ("Jenseits der Liebe") oder als Witwe, die Verantwortung übernehmen muss, in "Deine besten Jahre" (Bayerischer Fernsehpreis 2000). 2004 spielte sie im Biopic "Hunger auf Leben" die DDR-Schriftstellerin Brigitte Reimann und wurde dafür mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet.

2005 spielte sie die weibliche Hauptrolle im Oscar-gekrönten Drama "Das Leben der Anderen" und durfte Filmpartnerin von Robert De Niro in dessen Thriller "Der gute Hirte" sein. Zu einem Weihnachtsessen lud sie 2007 in "Meine schöne Bescherung" alle ihre Ex-Männern ein und glänzte so in ihrer komödiantischen Rolle, dass ihr dafür der Bayerische Filmpreis überreicht wurde. 2008 war die Premiere der RAF-Verfilmung "Der Baader Meinhof Komplex" nach Stefan Aust, in welcher sie mit der Rolle der Ulrike Meinhof von Regisseur Uli Edel bedacht wurde. Eine beeindruckende Solo-Performance lieferte sie in der Marlen-Haushofer-Verfilmung "Die Wand".

Die Trägerin des Bayerischen Verdienstordens ist seit 2005 mit dem Schweizer Regisseur Markus Imboden liiert.

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