Ron Perlman

Hohe Stirn, kantiges Kinn, mächtiger Kopf mit eng aneinander liegenden Augen - für den jungen Ron war sein asymmetrisches Gesicht eine Last, wie auch die 131 Kilo, die er wog. Doch der Sohn einer Angestellten und eines TV-Mechanikers, der an einem "sehr unterentwickelten Selbstwertgefühl litt", besaß eine Waffe, die ihn schützte, dann sogar attraktiv machte. "Das erste Mädchen, dem ich ein Date vorschlug, lachte mich aus, denn sie glaubte, ich machte nur Spaß. Innerlich heulte ich, aber nach außen machte ich aus der Situation einen Witz."

Humor ist Perlmans Stärke. "Ich war der Marcel Marceau der Perkussionisten", erinnert er sich an seine schlechten, deshalb leisen Versuche am Schlagzeug, das sein Vater sogar für Bandleader Artie Shaw bedient hatte. Perkussion war nichts für ihn, Planschen auch nicht, denn im Schwimmteam der Schule war er so unauffällig, dass ihn sein Coach an den Theaterlehrer abtrat, der für sein Stück "30 Mädchen aber keine Jungs hatte".

Dies war der Grundstein für das Studium der Schönen Künste, für Bühnenrollen, mit denen er sich in den /0er Jahren über Wasser hielt. Als er von Jean-Jacques Annaud als Steinzeitjäger in "Am Anfang war das Feuer" entdeckt wurde, glaubte Perlman sich seiner Beute sicher. Doch der Durchbruch blieb aus. Der Urzeittyp wurde Hausmann - für Tochter Blake und Frau Opal. Mit der Kostümdesignerin, Mutter auch von Sohn Brandon, führt Perlman eine Musterehe in Hollywood, wohin der New Yorker 1985 gezogen war.

Ein Jahr danach, nach langer Filmabstinenz, besetzte ihn Annaud als buckliges Faktotum Salvatore in "Der Name der Rose", der mehrsprachig wirres Zeug stammelte und sein eigenes Fegefeuer entfachte. Als sanfter, sporadisch animalisch austickender Löwenmensch, der in den U-Bahn-Tunneln New Yorks Shakespeare rezitierte und Linda Hamilton hofierte, fand Perlman schließlich die TV-Rolle, die ihn zum Schmachtzentrum der Frauen machte. Seit "Die Schöne und das Biest" hat der Hobby-Golfer, äußerlich ein Mix von Tom Waits und Will Ferrell, unzählige Filme gedreht.

Oft war er dank sonorer Tonlage nur stimmlich präsent, als animierter Hulk oder Conan und in Videogames. Oft unter schwerer Maske, wie als Anführer der Tiermenschen in "DNA - Die Insel des Dr. Moreau". Viel Zelluloid-Schrott hat er aufgehäuft, als ritterlicher Entführer von Katherine Heigl in "Prinz Eisenherz" oder Neo-Legolas in "Schwerter des Königs - Dungeon Siege", aber auch Filmperlen geziert.

So überraschte er die Überzeugungskiller in "Last Supper - Die Henkersmahlzeit" mit Verstand und landete so nicht als Dünger im Tomatenbeet. Seine stärksten Rollen verdankt er der French Connection: Annaud, der ihn als russischen Scharfschützen auch in "Duell - Enemy At the Gates" besetzte, und Jean-Pierre Jeunet, der ihn gegen Entführer ("Die Stadt der verlorenen Kinder") und Raumechsen ("Alien - Die Wiedergeburt") antreten ließ.

Noch stärker aber ist die Unterstützung der "mexikanischen Mafia". Regisseur

Guillermo Del Toro ist ein Freund, gab ihm als Bad Guy in "Cronos" eine rare Hauptrolle, machte ihn in "Blade II" zum Vampir und zum Helden zweier "Hellboy"-Epen, die Perlman sanft, stark und endlich auch romantisch zeigen.

Angesichts der wuchernden Filmografie glaubt man kaum, dass Perlman je Angebote ausschlug. Doch der Schauspieler weiß es augenzwinkernd besser: "Die Rolle, die ich mit größtem Bedauern ablehnte, ist wahrscheinlich die, die Robert Redford in 'Cherie Bitter' spielte. Und Rocky."

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