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Aravind Adigas dritter Roman erzählt von zwei jungen Brüdern auf der Suche nach sich selbst, vom Sport als Aufstiegschance und gnadenlosem Wettbewerb, von jungen Talenten und alten Talentsuchern, von Liebe und Ausbeutung, von Leidenschaft und Gewalt....
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  • 5 Sterne

    2 von 4 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich

    Marlene S., 02.11.2016

    Als Buch bewertet

    Falls ich dieses Buch in einer bestimmten Schublade ablegen müsste, würde ich es in der Kategorie Entwicklungsroman einordnen. Die Brüder Manjunath und Radha leben in Mumbai (Indien) in äußerst ärmlichen Verhältnissen. Schon sehr früh erkannte deren Vater, dass beide großes Talent für den Nationalsport Cricket haben. Das macht ihn auf der einen Seite stolz und zeigt ihm auf der anderen Seite eine Möglichkeit, wie sie den Slums entkommen können

    Anfangs ist es nicht einfach, in diesem Roman anzukommen. Das liegt einerseits an den vielen fremden Namen, die man mitunter nur schwer zuordnen kann, auf der anderen Seite an den Eigenarten dieser fremden Kultur. Doch das Lesen lohnt sich! Ich glaube, für jemanden der bereits einen Bezug zu Indien hat, geht das Eintauchen in das Leben, den Alltag der Protagonisten problemloser und schneller. Aber ist es nicht gerade das, was ein Buch soll - den Leser auf eine andere Kultur neugierig machen, das Interesse am Unbekannten wecken und den Wunsch befeuern, sich mit dieser anderen Kultur, dieser unbekannten Lebensform zu beschäftigen, damit man die Welt etwas besser versteht? Nach dem Lesen von "Golden Boy" ist man um viele Gedanken und Erkenntnisse reicher.

    Doch zurück zu dem Roman.

    Die Mutter verließ die Familie, als die Kinder noch klein waren und so ist der Vater Mohan Kumar, sowohl für die Erziehung der beiden Jungen, als auch für den Unterhalt seiner kleinen Familie alleine verantwortlich. Der einzige Weg den Slums von Mumbai zu entkommen, sieht er in der Förderung des Talentes seiner Söhne für den Nationalsport Cricket. Seine Methoden sind eigenartig, um nicht zu sagen, dass diese den Leser zum Teil abstoßen. Aber letztlich führt dieser Drill beide Jungen zum Erfolg im Sport. Sie werden von Tommy Sir, einem Talentsucher, für Cricket entdeckt.

    Der Autor schreibt in einer sehr schönen, an einigen Stellen fast blumigen Sprache. Doch es finden sich auch Passagen voller Lebensweisheiten. Z. B. Seite 54: "Rache ist der Kapitalismus der Armen: die Art und Weise, wie sie die ursprüngliche Wunde bewahren, unmittelbare Genugtuung aufschieben, die erste Beleidigung mit neuen Beleidigungen mästen, Bosheit investieren und reinvestieren und auf den perfekten Augenblick warten, um zurückzuschlagen." Allein schon über diesen Satz lohnt es sich, intensiv nachzudenken.

    Mohan Kumar, präsentiert seinen Söhnen voller Stolz einen Vertrag auf einer Serviette des MIG-Club geschrieben und sagt, (S. 54/55) "Worte haben Zauberkraft, merkt euch dies: Worte haben Zauberkraft".

    Doch im Leben gibt es nichts umsonst. Das Training bestimmt den Tagesablauf von Manjuhta und Radha. Javed, Manjus Freund prophezeit ihm, er werde zum Sklaven des Cricket und der Geldgeber, die seine Ausbildung bezahlen.

    Aber es ist nicht nur der Sport, von dem Manju verwirrt ist, sondernauch seine sexuelle Orientierung. Wer ist er? Schwulsein gehört in Indien wohl zu dem Schlimmsten, was einem jungen Mann widerfahren kann und er ist sich nicht sicher, findet sich sein Platz in dieser ausgegrenzten Gruppe oder vielleicht doch nicht?

    Der Autor, Aravind Adiga, lässt auf S. 116 Mehta (dieser finanziert die Cricket-Ausbildung der Brüder, erhofft dabei für sich selbst das große Geld, sobald sich die sportlichen Erfolge einstellen) eine bemerkenswerte Aussage über Indien machen: "...Ach, Cricket. Ich sage immer, wir mussten die Engländer erst loswerden, um die Vorteile der englischen Zivilisation genießen zu können".

    Einige Zeilen weiter, ebenfalls auf S. 116 wird es richtig provokant, als Metha einem Amerikaner seine recht persönliche und sonderbare Version, weshalb Cricket von der Regierung Indiens per Gesetz vorgeschrieben wurde mitteilt: "...Wissen sie, wir sitzen auf einer Zeitbombe: Weil Mädchen im Mutterleib getötet werden, fehlen unserer Bevölkerung ungefähr zehn Millionen Frauen....... Ich prophezeie ihnen, dass junge indische Männer zunehmend geistesgestört werden, weil sie keine Frauen zum Heiraten finden, und nicht einmal welche, mit denen sie sich paaren können. ...Nur eines kann uns vor diesem geballten bösartigen Hindu-Testosteron schützen: Cricket......".

    Dies ist wohl eine der eigenwilligsten Interpretationen in Bezug auf die Beliebtheit dieses Sports, die man sich vorstellen kann.

    Wer sich erhoffte, einen Roman mit einem platten Happy end zu lesen, der wird enttäuscht sein. Liebe und Ausbeutung, Leidenschaft und Gewalt gehen Hand in Hand. Auch am Ende sind da sowohl Licht und Schatten zugleich.

    Mit dem Vater Mohan Kumar brechen beide Söhne. Doch dieser hat sein Ziel erreicht, seine beiden Jungen sind den Slums von Mumbai entronnen.

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  • 5 Sterne

    3 von 7 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich

    Suhani, 16.10.2016

    Als Buch bewertet

    Bei diesem Buch geht es um Manju und Radha, zwei Brüder die im Slum von Bombay (Mumbai) leben.
    Ihre einzige Chance dort raus zukommen ist der Cricketsport.
    Um das zu erreichen werden sie von ihrem Vater quasi gedrillt und müssen mehr oder weniger verständliche Regeln einhalten, damit sie die Besten werden und somit von Talentsuchern entdeckt zu werden, was dann auch klappt.
    Doch wer von Beiden wird am Ende der „Golden Boy“ sein?
    Wird es überhaupt einer von beiden?

    Die Geschichte über Manju und Radha ist so vielschichtig wie das Land selber und zeigt, das man es tatsächlich aus dem Slum schaffen kann – nur unter welchen Umständen?
    Zur Geschichte möchte nicht spoilern, aber jeder der beiden Jungs versucht hier seinen Weg zufinden und der Leser sieht die unterschiedlichen Entwicklungen. Wie die Jungs jeder für sich, einen Weg außerhalb des Slums versucht zu gehen. Denn einmal dort raus, will man nie wieder zurück.

    Das Buch hat mir sehr gut gefallen.
    Die Geschichte erzählt nicht nur von den zwei Brüdern, sondern auch das Überleben in einer so großen Stadt wie Mumbai, in einem Land, das nur nach außen hin in bunten Farben glänzt und glitzert. Hier wird gezeigt, dass auch bei aller Leidenschaft der Sport nur ein Geschäft ist und nur wer sich kaufen lässt und verkaufen kann, kommt weiter. Der Sportsgeist bleibt dabei meistens auf der Strecke. Aber man sieht auch, wie schwer es ist erwachsen zu werden und seinen eigenen Weg zufinden. Nur mit genügend Ehrgeiz können die Brüder eine Zukunft außerhalb des Slums aufbauen, doch müssen sie aufpassen um nicht selbst auf der Strecke zu bleiben.
    All diese Probleme werden aber nicht mit erhobenen Zeigefinger aufgezeigt, sondern fließen mit der Geschichte mit. Sei es der käufliche Sport, die Stellung der Slumbewohner, der Familiensinn – der auch zum Problem werden kann, bis zur Homosexualität.
    Diese steht (bis auf eine kurzzeitige Ausnahme) bis heute seit über 150 unter Strafe!

    Manju war für mich die Hauptperson und ich fand ihn auch stärker als seinen Bruder. Wer mich am meisten genervt hat, war der Vater der Beiden. Zwar kann ich verstehen das er alles drangesetzt hat, damit seine Jungs Cricket-Stars werden, aber das wie hat mich einfach nur genervt. Außerdem waren seine Methoden mehr als suspekt.
    Tommy Sir fand ich dagegen mehr als Vaterfigur für die Zwei, was den Sport angeht – auch wenn Manju und Radha das wohl nicht so empfanden.
    Alles in allem hat mir die Geschichte mit all ihren Fassetten sehr gut gefallen auch wenn ich ein bisschen die Augen verdrehen musste, als Shah Rukh Khan in die Geschichte – wenn auch nur als kleiner „Gastauftritt“ eingebaut wurde.
    Das war dann doch etwas zu klischeehaft für mich. Diese zwei Kurzauftritte hätte sich der Autor auch sparen können, auch wenn der Schauspieler selber eine IPL-Cricket-Mannschaft hat, so hat diese aber nichts mit dem Cricket zutun, welches die Jungs spielten.

    Was ich noch erwähnen möchte:
    Am Anfang muss man sich ein wenig an die manchmal doch etwas langen und verschachtelten mit in Klammern gesetzten Bezeichnungen und Erklärungen gewöhnen. Ansonsten war für mich der Schreibstil flüssig und bildhaft, so dass mein Kopfkino einwandfrei lief. Auch fand ich die ab und an eingestreuten Sätze in der wörtlichen Rede der Protagonisten in Hindi sehr authentisch. Den öfter mal auftretenden Szenenwechsel, der von einigen Lesern als schwierig empfunden wurde, kann ich so nicht nachvollziehen. Für mich war das nichts anders, als wenn ich mir einen Film ansehe und dort die Szenen zu Nebenfiguren und gerade andere Ereignisse wechseln. Wie gesagt, mein Kopfkino lief „ruckelfrei“. :)
    Vom Cricket sollte man sich in der Geschichte auch nicht ablenken lassen, man muss nicht versuchen den Sport zu verstehen, denn dieser steht hier eigentlich auch gar nicht im Vordergrund und ist nur Mittel zum Zweck – es hätte auch z. B. Feldhockey sein können, der in Indien ebenfalls stark betrieben wird.

    Mein Fazit:
    Wer sich nicht an den indischen Wörtern stößt und Cricket nicht verstehen will, hat hier eine Geschichte die zeigt das Indien nicht nur buntes Bollywood ist.
    Ein Buch das mich neugierig auf mehr von dem Autor gemacht hat und auf jeden Fall weiterempfehlen kann, dem meine Ausführung weiterhilft.

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