vor 11 Monate

Arthrose selbst heilen: Gesunde Gelenke

Das Knie als das größte menschliche Gelenk muss im wahrsten Sinn des Wortes die höchste Gewichtsbelastung er-tragen. Hier ist Arthrose besonders häufig. Aber auch Finger- und Daumensattelgelenk sind oft betroffen, Spezialhandschuhe helfen Schmerzgeplagten

Gelenke - ein geniales System

Mehr als 100 Gelenke ermöglichen unserem Körper Bewegungen – zum Tanzen, Tragen, Toben und vielem mehr. In genialer Zusammenarbeit sorgen Knochen, Knorpel, Muskeln, Bänder und Sehnen dabei für reibungslose Abläufe. Die Gelenke sind ein Wunderwerk der Natur. Ihre Funktion stellt der Körper auf besondere Weise sicher: Die Nutzung der Gelenke hält sie gleichzeitig instand.

Wer die Hintergründe dieses Zusammenhangs kennt, kann Verschleiß und Schmerzen mit einfachen Mitteln vorbeugen. Gesunde Gelenke auf lange Sicht.

Gelenk-Einmaleins

Jedes Gelenk besteht aus mindestens zwei Knochen, die durch elastische Knorpelschichten miteinander verbunden sind. Muskeln, Bänder und Sehnen stützen das Gelenk von außen. Der Knorpel sorgt für reibungsloses Aneinandergleiten der Gelenkknochen und dämpft Stöße ab. Wichtig mit Blick auf die Gesundheit ist, dass der Knorpel sämtliche seiner Nährstoffe aus der Gelenkflüssigkeit erhält.

Gut geschmiert

Wie Schwamm und Wasser arbeiten Knorpel und Gelenkflüssigkeit zusammen: Wird der Knorpel durch Belastung gestaucht, drückt das die Flüssigkeit mitsamt Abfallprodukten aus ihm heraus. Die herausgepresste Schmiere bildet einen Gleitfilm zwischen den Knochen. Bei Entlastung dehnt sich die elastische Knorpelschicht wieder aus und nimmt dabei neue Gelenkflüssigkeit mit wichtigen Nährstoffen auf, die den Knorpel intakt halten. Logische Schlussfolgerung: Mit jeder Bewegung sorgen wir für geschmierte und gesunde Gelenke.

Alternde Gelenke? Von wegen!

Arthrose ist eine echte Volkskrankheit: Rund 30 Millionen leiden im Laufe ihres Lebens unter Verschleiß der Gelenke und rund 7 Millionen an richtigen Schmerzen an einem oder mehreren Gelenken. Es ist ein Irrglaube, dass sich der Knorpel durch die Nutzung des Gelenks über Jahre hinweg abreibt und dadurch Arthrose (Knorpelabbau) entsteht. Arthrose-Ursache Nummer eins ist Bewegungsmangel. Stehen die Gelenke oft still, gelangt wenig Gelenkflüssigkeit zum Knorpel. Diesem fehlen die Nährstoffe und mit der Zeit verkümmert er. Verschiedene Risikofaktoren wie Fehlstellungen oder Übergewicht können den Verschleiß beschleunigen. Schon gewusst: Bei einem normalgewichtigen Menschen wirken schon im Stehen 70 Kilo Gewicht auf das Knie ein. In Bewegung erhöht sich diese Zahl auf das 7-Fache. Je mehr jemand wiegt, desto höher wird die Belastung für das Gelenk.

In Bewegung bleiben

Wer sich viel bewegt und dabei den vollen Umfang aller Gelenkwinkel ausnützt, hält die Knorpelschichten auf lange Sicht gesund. Ist ein Knorpel bereits geschädigt, bringt gelenkschonender Sport Besserung. Wassergymnastik und Radfahren sind schonender als beispielsweise Joggen, denn sie sorgen für Bewegung ohne den Druck des Körpergewichts.

Unser Tipp: Halten Sie vor dem Einstieg in regelmäßiges Bewegungstraining Rücksprache mit Ihrem Arzt, um entzündete Gelenke nicht zusätzlich zu schädigen.

Gelenkbeschwerden schlagen auf die Stimmung. Schaffen Sie Entspannungsinseln und regulieren Sie so die Schmerzwahrnehmung.

Aktivprogramm gegen Schmerzen

Ist die Abnutzung eines Knorpels bereits fortgeschritten, sind Schmerzen durch Entzündungsreaktionen ein häufiger Begleiter. Für Betroffene haben die Orthopäden und Chirotherapeuten Dr. Martin Marianowicz und Dr. Willibald Walter einen fundierten Ratgeber geschrieben: „Arthrose selbst heilen. Das ganzheitliche Anti-Schmerz-Programm“. Die Autoren setzen auf einen ganzheitlichen Ansatz und schlagen ein "multimodales Gelenkprogramm" vor, in dem neueste Erkenntnisse zur Schmerzlinderung eingearbeitet sind. Ihr Ansatz: In 75 Prozent aller Fälle müsse eine Operation gar nicht sein und lasse sich weit hinauszögern. Gelenkersatz ist für sie der allerletzte Ausweg.

Statt dessen setzen die beiden Orthopäden und Chirotherapeuten auf einen konservativen Ansatz, der aus einer Mischung von Medikamenten, Bewegung, Entspannung, Schmerzmanagement und Ernährung besteht. Darin zeigen sie, wie sich Schmerzen dauerhaft lindern lassen. Wir haben den 207 Seiten starken Ratgeber gelesen.

Diese Tipps aus "Arthrose selbst heilen" teilen wir als Kostprobe mit Ihnen:

1. Heilende Entspannung

Gelenkschmerzen schlagen häufig auf die Stimmung. Stress durch chronische Schmerzen stört die Zusammenarbeit von Sympathikus (Stressnerv) und Parasympathikus (Ruhenerv) im vegetativen Nervensystem. Gleichen sich die beiden Gegenspieler nicht richtig aus, übernimmt der Stressnerv. Diese ständige Alarmbereitschaft schwächt die Selbstheilung des Körpers. Dr. Martin Marianowicz und Dr. Willibald Walter sagen: "Entspannung lockert nicht nur die Muskulatur, sondern auch die auf den Schmerz fokussierten Gedanken."

Für den Alltag: Yoga und Entspannungsübungen wie autogenes Training stärken den Ruhenerv und unterstützen Heilungsprozesse. Dazu legt man sich bequem auf den Rücken und atmet tief ein und aus. Nun werden verschiedene Formeln in Gedanken wiederholt, wie beispielsweise „Mein Körper ist schwer“ und „Ich bin ganz ruhig und gelassen“.

Lesetipp: Mehr zum Thema Atmen erfahren Sie hier

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2. Goldene Medizin: Goldene Milch

Kurkuma kann gegen Gelenkschmerz wahre Wunder bewirken. Das im gelben Gewürzpulver aus Asien enthaltende Curcumin wirkt auf Knorpel und Knochen heilsam, entzündungshemmend und schmerzlindernd.

Für den Alltag: Als Goldene Milch können Sie Kurkuma ohne großen Aufwand genießen. Erhitzen Sie dazu eine Viertel Tasse Kurkumapulver mit einer Tasse stillem Wasser und lassen Sie die Mischung etwa zehn Minuten zu einer dicken Paste kochen; nach eigenem Ermessen Wasser nachgießen. Geben Sie nun für die goldene Milch einen halben bis ganzen Teelöffel der Paste in eine Tasse warme Milch.

Lesetipp:

Spannendes und Wissenswertes über Kurkuma

3. Am Wickel

Heilwickel verbessern die Durchblutung und wirken entzündungshemmend. Dadurch lindern sie Schwellungen und fördern Reparaturprozesse im Körper. Folgende Wirkstoffe haben sich als Wickel bei Arthrose bewährt: Kohl, Quark, Senfmehl, Heilerde.

Für den Alltag: Tragen Sie Wirkstoffe wie beispielsweise Heilerdebrei fingerdick auf die schmerzende Stelle auf. Anschließend legen Sie ein feuchtes Tuch auf und wickeln ein Handtuch darum. Lassen Sie Wickel mit Heilerde etwa zwei Stunden auf der Haut, bis die Heilerde trocken ist.

4. Das Weniger- Mehr-Prinzip

Die Verbesserung der Lebensqualität steht im Mittelpunkt von "Arthrose selbst heilen". Deswegen fordern die beiden Experten zwar eine Ernährungsumstellung, aber keinen dauernden Verzicht, denn das bedeutet auch den Verlust von Lebensqualität, Genuss und Freude. Wer auf eine frische, nährstoffreiche und vollwertige Küche achtet und einen genussvollen Lebensstil auch beim Essen - maßvoll - praktiziert, gewinnt. In akuten Schmerzphasen können auch Fastenkuren wirksam sein, so hat beispielsweise Autorin Susanne Fröhlich durch Fasten ihr Rheuma kuriert.

Dabei hilft das Weniger-Mehr-Prinzip:

  • weniger Fleisch, mehr Gemüse
  • weniger Butter, mehr Pflanzenfett
  • weniger säurehaltige Lebensmittel, mehr basische
  • weniger Süßigkeiten, mehr Obst
  • weniger Weißmehl, mehr Vollkorn

Zum Weiterlesen:

Das ganzheitliche Programm mit Tipps und Übungen zu Ernährung, Bewegung, Entspannung und Schmerzbewältigung finden Sie in dem Buch Arthrose selbst heilen. Das ganzheitliche Anti-Schmerz-Programm von Dr. Martin Marianowicz und Dr. Willibald Walter.