vor einem Monat

Küchen-Deko nostalgisch

Kuckucksuhr, Einmachgläser und Emaille

Wer dabei an Oma denkt, liegt nicht ganz falsch, aber auch nicht goldrichtig. Denn vorbei sind die Zeiten des einheitlichen Clean-Chic, jetzt erobert der Retro-Trend unsere Küchen. Neben Geschirr mit klassischem Zwiebelmuster finden nun auch wieder Sammeltassen und Küchenutensilien aus Emaille ihren Weg in Schränke und Vitrinen. Klar, dass da auch die beliebten Hummelfiguren nicht fehlen dürfen. Die Entwürfe für die pausbäckigen Kinder aus Porzellan stammen von Berta Hummel, einer deutschen Franziskanerin. Wir erzählen ihre einzigartige – und zuweilen tragische – Erfolgsgeschichte und sorgen mit Deko-Tipps für aufkommende Nostalgie zwischen Töpfen, Pfannen und dem Küchentisch. Schwelgen Sie schon in Erinnerungen?

Ein bisschen Heimeligkeit - Apfelkuchen und Hummelfiguren

Sehnen wir uns nicht alle nach „den guten alten Zeiten“, in denen wir stundenlang am Küchentisch saßen, ohne ein einziges Mal auf das Handy zu schauen, dabei den Duft von frisch gebackenem Apfelkuchen in der Nase und die Gewissheit, dass wir mit jedem Stück auch ein bisschen Heimeligkeit mit nach Hause nehmen? Wir sind sicher: Diese Zeit passt auch in unsere. Wir müssen sie nur hereinlassen...

Eine Künstlerin zwischen den Welten: Berta Hummel

Wer an den Retro-Trend denkt, denkt automatisch auch an sie: die Hummelfigur. Die Porzellanfiguren gehen auf Zeichnungen von Berta Hummel zurück. Als Tochter einer strenggläubigen Mutter, die sie bereits mit elf Jahren zu Schweigeexerzitien schickte, wurde ihre Leidenschaft für das Zeichnen von den Ordensfrauen zunächst unterdrückt. Zuhause allerdings zeichnete sie auf jedes noch so kleine Stück Papier. Besonders ihr Vater, der lieber Bildhauer statt Geschäftsmann geworden wäre, war stolz auf seine Tochter und so kam es, dass die junge Berta ab 1927 an der Kunstgewerbeschule studierte. Bereits nach dem Aufnahmetest, den sie mit Bravour bestand, galt sie als größte Hoffnung ihrer Professoren. Doch schon bald sollte es Berta selbst sein, die ihrem Leben unerwartet eine entscheidende Wendung gab.

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Freiheit der Kunst und Enge des Klosters

Denn mit nur 21 Jahren fasste Berta den Entschluss, den Weg ins Kloster zu gehen. Was sie zu diesem Schritt ermutigte, ist bis heute ein großes Rätsel. Vermutet wird, dass sie in ihren Münchner Jahren Bekanntschaft mit zwei Ordensschwestern in ihrem Alter machte, die bei der Entscheidung eine Rolle gespielt haben könnten.

Mit dem Einzug ins Kloster ändert sich auch ihr Malstil. Vorbei waren die Zeiten von langen Spaziergängen in der Natur, bei denen sie sich inspirieren, ihrem Talent freien Lauf lassen und auch an der frischen Luft zeichnen konnte. Aus der freiheitsliebenden Berta wurde Schwester Maria Innocentia, die ihre Kunst dem sakralen Ton anpasste.

Von der Zeichnung zur Figur - die Geburtsstunde der Hummelfiguren

Ironischerweise kam mit der vermeintlichen Aufgabe ihrer künstlerischen Freiheit der große Erfolg. Im Kloster begann sie unter anderem damit, Fleißbildchen von Kindern anzufertigen, die als Lob an emsige Schüler ausgeteilt wurden. Ihre Figuren zeichneten sich durch dicke Pausbäckchen und lausbubenhafte Mimik aus und sorgten schon bald für großes Interesse. So dauerte er nicht lange, bis die oberfränkische Porzellanmanufaktur Goebel 1934 die Idee hatte, die Entwürfe der Nonne in die Dreidimensionalität von Nippesfiguren zu überführen: die Geburtsstunde der Hummelfigur, wie wir sie heute noch kennen.

Der große Erfolg der Hummelfiguren

Die Künstlerin selbst war von diesem Vorschlag zunächst nicht sonderlich begeistert, hatte sie doch tiefreligiöse Bibelfiguren schaffen wollen. Ihre Ordensschwestern hingegen ahnten, welchen Gewinn sie aus den Anklang findenden Entwürfen machen konnten und mahnten Berta zum Gehorsam. Und die Schwestern sollten Recht behalten: Von 1940 an waren die Zeichnungen Berta Hummels die einzige Verdienstquelle des Klosters.

Doch je erfolgreicher die Figuren wurden, umso kränker wurde Berta. Mit nur 37 Jahren starb sie schließlich an Tuberkulose, umgeben von ihren Ordensschwestern und ihrer Mutter. Ihre Figuren allerdings leben bis heute weiter – und erleben mit dem Retro-Trend ein großes Comeback.

Von wegen von Gestern

Die Hummelfiguren gelten auch heute noch für viele Menschen als Sinnbild für unbeschwerte Kindheitstage, Heimeligkeit und ein Stück „heile Welt“ – Gefühle und Atmosphären, nach denen wir uns gerade in stressigen Zeiten sehnen. Kein Wunder also, dass der Retro-Trend zeitgleich mit der voranschreitenden Digitalisierung den Weg in unsere Küchen findet. Nicht nur Omas Rezepte, nein, auch ihre Küchenutensilien von einst sind wieder angesagt.

Tipp: Mixen Sie für ein besonders gelungenes Ergebnis in der Küche moderne Deko-Elemente mit Vintage-Fundstücken. Diese können Sie mit etwas Glück relativ günstig auf Flohmärkten ergattern – aber auch Großmutters Dachboden lädt zum Stöbern und Entdecken alter Schätzchen ein.

So wird’s nostalgisch in der Küche:

  • Von der klassischen Schüssel bis zum Frühstücksbrettchen: Geschirr mit weiß-blauem Zwiebelmuster ist wieder voll im Trend. Wer Glück hat, entdeckt in Omas Vitrine noch das ein oder andere begehrte Stück, aber auch neue Tassen im Vintage-Look verleihen Ihrer Küche das gewisse nostalgische Etwas
  • Hummeldesign auf Textilien: Auch auf Tischdecken und Geschirrtüchern finden die Designs von Berta Hummel Platz. So deckt sich der Tisch gleich mit noch mehr Nostalgie.
  • Vielfältig einsetzbar: Küchenutensilien aus Emaille eignen sich hervorragend als Deko-Elemente. Unterschiedliche antike Kuchenformen können beispielsweise als Wand-Installation dienen und verleihen dem Raum den angesagten Shabby-Chic. Übrigens: Runde Springformen ergeben, mit Tannen gefüllt, einen Adventskranz mit Hingucker-Garantie.
  • Das Einmaleins der Einmachgläser: Schon Großmutter wusste, dass Weckgläser nicht nur praktisch, sondern auch richtig dekorativ sein können. Mehl, Zucker und andere trockene Zutaten einfach umfüllen und der Reihe nach auf einem Regalbrett arrangieren.
  • Regional statt aus weiter Ferne: Selbst gezogene Kräuter, wie sie einst schon die Uroma hegte und pflegte, machen nicht nur Hobbygärtner glücklich, sondern verschönern in antiken Töpfen oder Gläsern auch die eigene Fensterbank.

Mit diesen Tipps wird aus Ihrer Küche im Nu ein heimeliger Ort, an dem Sie sich wohlfühlen und – ganz wie früher – wundervolle Zeiten mit Ihrer Familie verbringen können.