vor 3 Wochen

Es wird Nacht in Ostfriesland: Klaus-Peter Wolf mordet wieder

© Foto: Gaby Gerster 2017

Neues aus Norden: Ostfriesennacht von Klaus-Peter Wolf

250 Tage im Jahr ist er auf Lesereise. Die Nähe zu den Fans seiner inzwischen 13-bändigen Ostfriesland-Krimireihe ist ihm heilig. Wobei Klaus-Peter Wolf auch gerne mal im Gefängnis vor interessiertes Publikum tritt, „das hilft mir bei den Täterperspektiven“, erklärt er im Weltbild-Interview. Der 65-Jährige gehört zu den erfolgreichsten Krimi-Autoren Deutschlands und zu den nahbarsten. Jetzt ist sein neuer Krimi „Ostfriesennacht“ erschienen.

Autor Klaus-Peter Wolf lebt - genau wie seine beliebte Krimi-Kommissarin Ann Kathrin Klaasen – in der ostfriesischen Stadt Norden, wer klingelt, kriegt gerne ein Autogramm. Mit seinen Lesern fühlt sich Klaus-Peter Wolf stark verbunden, dank ihrer Mund-zu-Mund-Propaganda avancierten seine Ostfrieslandkrimis vom Geheim-Tipp zu Bestsellern in Millionenauflage. Vielleicht auch ein Grund, warum er echten Menschen einen Gastauftritt in seinen Romanen spendiert, wie dem Maurer Peter Grendel oder dem Konditor Jörg Tapper.

Auf Authentizität kommt es Klaus-Peter Wolf an, das gilt auch für die Verfilmungen seiner Ostfriesenkrimis im ZDF. Im Februar lief nachOstfriesenkiller und Ostfriesenblut mit Ostfriesensünde bereits der dritte Fall im öffentlich-rechtlichen Fernsehen mit der bekannten Darstellerin Christiane Paul in der Hauptrolle. Alle Aufnahmen mussten vor Ort an der norddeutschen Küste gedreht werden, was die Produktionskosten in die Höhe trieb, doch das war Wolfs Bedingung.

Die Titelmelodie im Vorspann summt übrigens Wolfs Ehefrau Bettina Göschl, die auch seine Lesungen musikalisch begleitet und mit der er Kinderbücher schreibt. Für sie und seine Kinder würde Wolf zum Mörder wie er im Interview erzählt: „Nie würde ich dem Staat erlauben, die Todesstrafe einzuführen. Wenn es aber um meine Frau oder Kinder ginge, könnte ich für mich nicht garantieren“. Ein Gedankenspiel, aus dem der Stoff für seinen neuen Roman wurde.

Das neue Buch "Ostfriesennacht"

In Fall Nummer 13, „Ostfriesennacht“, lässt er Nordsee-Urlauberinnen zittern. Denn es schleicht sich ein psychopathischer Serienkiller in die Ferienwohnungen dort und ermordet die Bewohnerinnen. Für Frank Weller, Ann Kathrin Klaasens Mann und Kollege, spricht einiges dafür, dass niemand anderer als sein zukünftiger Schwiegersohn der Täter ist. Doch seine Ermittlungen werden stets so ausgelegt als läge das Problem viel mehr bei Weller: Kann er sich einfach nicht damit abfinden, dass ein anderer Mann inzwischen die Nummer eins im Leben seiner Tochter ist?

© obs/ZDF/Sandra Hoever | Die TV-Ermittler aus Norden mit dem Autor: Christian Erdmann (Frank Weller), Christiane Paul (Ann Kathrin Klaasen), Klaus-Peter Wolf (Autor), Rick Ostermann (Regie), Barnaby Metschurat (Rupert) (von links nach rechts) **

Wann er selbst zum Mörder würde und wie weit der Bestsellerautor für seine Recherchen geht - Klaus-Peter Wolf im Interview

"Ich glaube, dass jeder noch so pazifistisch gesinnte Vater zum Mörder werden könnte, wenn es darum geht, seine Kinder zu schützen."

In „Ostfriesen-Nacht“ dreht sich vieles um TV-Kommissarin Ann Kathrin Klaasens Mann und Kollegen Frank Weller. Angeblich trübt Eifersucht auf den zukünftigen Schwiegersohn sein Urteil im Fall. Sie sind selbst Vater einer Tochter – konnten Sie da aus Erfahrung schöpfen?

Klaus-Peter Wolf: Die Realität ist der Steinbruch, aus dem ich meine Geschichten hole. Aber dann bearbeite ich den Stein. Es entsteht etwas Neues. Fiktion, die viel Wissen über die Realität in sich trägt. Ich glaube, dass jeder noch so pazifistisch gesinnte Vater zum Mörder werden könnte, wenn es darum geht, seine Kinder zu schützen. Nie würde ich dem Staat erlauben, die Todesstrafe einzuführen. Wenn es aber um meine Frau oder Kinder ginge, könnte ich für mich nicht garantieren. So ehrlich bin ich mit mir. Das war die Ausgangsfrage für den neuen Roman.

Was macht für Sie einen guten Krimiplot aus? Und warum sind Ihre Ostfriesen-Krimis immer auch ein Gesellschaftspanorama?

Klaus-Peter Wolf: Ein guter Kriminalroman ist für mich keine Fotografie der Gesellschaft, sondern ein Röntgenbild. Ein tiefer Blick in die Abgründe der menschlichen Seele. Gute Kriminalliteratur muss milieusicher sein und psychologisch genau.

Klaus-Peter Wolf: "Ich habe sogar zwei Jahre unter falschem Namen im Milieu gelebt und war 'Mitarbeiter' von Mädchen- und Frauenhändlern."

Sie sind längst nicht nur ein „Schreibtischtäter“, sondern sind im Laufe Ihrer Karriere bei Ihren Recherchen oft ganz ins Milieu, über das Sie schreiben wollten, eingetaucht. Wie weit gehen Sie für ein Buch?

Klaus-Peter Wolf: Ich habe sogar zwei Jahre unter falschem Namen im Milieu gelebt und war „Mitarbeiter“ von Mädchen- und Frauenhändlern. Später habe ich das alles auffliegen lassen. Es hat auch Verhaftungen gegeben. Nicht jede Recherche ist so spektakulär. Neulich habe ich ein paar Tage in einer Hotelküche gearbeitet, um zu sehen, wie das da läuft und wie man spricht und miteinander umgeht. Ich mache auch Lesungen im Gefängnis und spreche natürlich mit den Gefangenen, zuletzt in Lingen. Das hilft mir bei den Täterperspektiven.

Klaus-Peter Wolf: "Ich wollte keine Pappkameraden in meinen Büchern."

Warum verwenden Sie gerne reale Orte (wie Ihren Wohnort Norden) und auch existierende Personen in Ihren Geschichten? Welche Figuren in „Ostfriesen-Nacht“ gibt es wirklich? Und wie ergattert man eine Gastrolle?

Klaus-Peter Wolf: Ja, ich fiktionalisiere das Leben real existierender Menschen. Zum Beispiel den Maurer Peter Grendel, den Konditor Jörg Tapper, die Sängerin Bettina Göschl, den Journalisten Holger Bloem gibt es wirklich. Sie heißen wie im richtigen Leben. Sie reden so. Sie denken so. Sie sehen so aus, aber sie erleben bei mir Dinge, die sie nie wirklich erlebt haben. Ich wollte keine Pappkameraden in meinen Büchern. Ich wollte von richtigen Menschen erzählen. Das ist ein Abenteuer. Für meine Helden und für mich. Wenn sie mir hinterher sagen: „ Ja, diese Zweifel hatte ich auch!“ Oder: „ Ja, genau so hätte ich es gemacht“, dann freue ich mich. Ich muss die Menschen, über die ich schreibe, aber sehr genau kennen, sonst geht das nicht.

"Wer kann die Figuren schon besser interpretieren als der Autor?"

Ihre Krimis sind inzwischen auch fürs Fernsehen entdeckt und drei davon bis jetzt mit Christiane Paul in der Hauptrolle verfilmt worden – wie stark sind Sie an der Umsetzung des ZDF beteiligt und wie wichtig ist Ihnen das?

Klaus-Peter Wolf: Die ersten drei sind bereits verfilmt und mit sehr hohen Einschaltquoten gelaufen. Wenn ich einen Roman schreibe, denke ich nicht an die Verfilmung. Ich denke nicht einmal an das Buch. Ich bin dann ganz in der Geschichte und bei den Personen und führe sie an ihre größte Angst oder zu ihrer größten Sehnsucht. Mit den Verfilmungen bin ich sehr zufrieden. Ich habe einen Beratervertrag und ich berate auch das Filmteam wirklich nach bestem Wissen und Gewissen, und dann sind die dran, um ein Kunstwerk in eine andere, neue Form zu bringen.

Ihre Hörbücher - ebenfalls Bestseller - lesen Sie selbst ein. Das ist ungewöhnlich für einen Autor…

Klaus-Peter Wolf: Ja, normalerweise nimmt man Schauspieler. Aber ich liebe die Arbeit im Studio. Das Hörbuch gibt den Figuren noch einmal eine neue Dimension. Und wer kann die Figuren schon besser interpretieren als der Autor, der sie geschaffen hat? Leidenschaftlich gerne lese ich aus meinen Romanen vor, deshalb trete ich ja so oft auf. Und die Fans wollen gern die Stimme ihres Autoren hören. Das ist ein großes Glück für mich.