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Landverliebt: "Hin und nicht weg" von Lisa Keil

Liebt den Trubel in der Praxis und die ruhigen Stunden am Schreibtisch: Tierärztin und Bestsellerautorin Lisa Keil. © Foto: Stefanie Lategahn

Doppelter Traumberuf: Mit viel Gefühl erobert diese Tierärztin die Bestsellerlisten

Eigentlich ist Lisa Keil ja Tierärztin auf dem Land. Mit Praxistrubel, jeder Menge vierbeiniger Patienten und eigenen Pferden. Aber: Seit März 2019 hat sie offiziell gleich zwei Traumberufe. Tierärztin und Bestseller-Autorin. Denn vor rund einem Jahr erschien ihr erster Roman "Bleib doch, wo ich bin" und schoss prompt auf die Bestsellerliste. Im Mittelpunkt der romantischen Erzählung steht Kaya, die sich in Lasse verliebt. Happy End inklusive - nur nicht für Kayas besten Freund Rob, der heimlich in sie verliebt ist (#teamrob). In ihrem neuen Roman "Hin und nicht weg" bekommt nun endlich auch der Traummann (und Tierarzt!) Rob die Chance auf sein Glück!

Im Interview verrät Lisa Keil, dass ihre beste Freundin Anabel ist (Robs neue Liebe), dass ihr Tag leider auch nur 24 Stunden hat, die Hausarbeit deshalb immer liegen bleibt (sehr sympathisch) und warum Rob perfekt unperfekt ist (die perfekte Mischung eben):

In „Bleib doch, wo ich bin“ haben wir das Örtchen Neuberg zum ersten Mal kennengerlernt und das Liebespaar Lasse und Kaya. Wussten Sie damals schon, dass Kayas Freund Rob eine eigene Liebesgeschichte verdient?

Lisa Keil: Nicht gleich am Anfang, nein. Aber als Rob dann in der Geschichte aufgetaucht ist, hat er etwas mit mir gemacht. Ich wusste schnell, dass er es Lasse nicht leicht machen würde bei Kaya (und bei den Leserinnen). So kam es dann auch, immer wieder wurde ich in E-Mails und Gesprächen nach ihm gefragt.

"Bleib doch, wo ich bin" hat ein Happy End, aber den beliebten Tierarzt habe ich dabei sehr unglücklich zurückgelassen. Das konnte so nicht bleiben, denn ich war selbst neugierig darauf, mehr über Rob zu erfahren. Deshalb hat er seine eigene Geschichte bekommen.

Lisa Keils Liebeserklärung an ihre beste Freundin: "Rebellion und liebevolle Hilfsbereitschaft - in beidem ist Anabel mir überlegen"

Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Ihnen und dem pflichtbewussten Tierarzt Rob? Oder sehen Sie am Ende mehr Ähnlichkeiten zwischen sich und der unangepassten Anabel?

Lisa Keil: Das ist nicht leicht zu beantworten. Beide spiegeln natürlich einen Teil von mir wieder, aber so richtig ähnlich bin ich keinem der zwei.

Robs Pflichtbewusstsein erinnert mich an meine ersten Jahre als Tierärztin. Da gab es für mich nichts anderes als den Job und ich habe das Diensthandy sogar mit unter die Dusche genommen, um für einen Notfall sofort erreichbar zu sein. Erst mit der Zeit habe ich gelernt, dass man Grenzen setzen muss, um sich selbst zu schützen und die Freude an der Arbeit zu behalten.

Anabel ähnelt viel mehr meiner besten Freundin (die übrigens wirklich so heißt). Die Mischung aus coolem Kampfgeist und zarter Verletzlichkeit fasziniert mich. Rebellion und liebevolle Hilfsbereitschaft - in beidem ist Anabel mir überlegen :-)

Bekommt im neuen Roman eine kleine Rolle: Das Kälbchen "Mitternacht". © Foto: Stefanie Lategahn

In Anabel schlagen zwei Herzen: eines für Berlin und das hippe Stadtleben und eines für Neuberg und die Landidylle – wie sieht es bei Ihnen aus – sind Sie ganz landverliebt?

Lisa Keil: Ich bin ja in der Großstadt (Frankfurt am Main) aufgewachsen, aber ich gehöre aufs Land. Seit ich als Zehnjährige mit heißersehnten Reitstunden am Stadtrand angefangen habe, wollte ich raus aus der Stadt und dabei ist es geblieben.

Ich liebe den Platz und die Weite, die Tiere, das Miteinander und die Nähe zur Natur. Alles ist weniger hektisch und irgendwie unkompliziert.

Aber es gibt auch Dinge, die ich vermisse. Zum Beispiel die öffentlichen Verkehrsmittel, es ist nervig, immer aufs Auto angewiesen zu sein. Außerdem fehlt mir die Diversität der Menschen, die auf dem Land weniger ausgelebt wird. Hier will man oft nicht so gern anders sein oder auffallen, das ist schade. Dabei sind die Leute hier aber sehr offen, fühlen sich füreinander verantwortlich und es findet ein reger Austausch statt.

Wenn ich aufs Land komme, atme ich auf. Ich fühle mich dort einfach Zuhause. Deshalb: voll und ganz landverliebt!

Lisa Keil: "Ich [bin] die schlechteste Hausfrau aller Zeiten"

Wie lebt es sich so mit gleich zwei Traumberufen – als Tierärztin und Autorin – plus Familienleben? Hat Ihr Tag mehr Stunden als bei anderen?

Lisa Keil: Als ersten Punkt sollte ich erwähnen, dass ich die schlechteste Hausfrau aller Zeiten bin. Da kommen schon gleich ein paar dieser Stunden zusammen :-D

Weil ich mit einer halben Stelle als Tierärztin arbeite, bleibt mir genug Zeit zum Schreiben. Ich habe gar nicht das Gefühl, dass die eine Tätigkeit mir die Energie für die andere nehmen könnte. Eher freue ich mich nach einer ruhigen Zeit am Schreibtisch allein mit meinen Gedanken auf einen trubeligen Tag unter Zwei- und Vierbeinern in der Praxis - und umgekehrt. Aus dem einen ziehe ich also gerade die Kraft für das andere. Es macht mich sehr glücklich, dass ich in zwei Traumberufen arbeiten darf, und das trägt mich auch durch wilde und anstrengende Tage.

Die freien Nachmittage und die Wochenenden gehören dann meiner Familie, den Pferden und Freunden. Nur lesen kann ich nicht mehr so viel wie früher, das hole ich dann im Urlaub nach.

Landliebe bei Weltbild entdecken

Tierarzt Rob ist sensibel, verantwortungsbewusst, liebevoll, lustig, tierlieb und dazu auch noch verdammt gutaussehend – ist das nicht ein bisschen zu gut, um wahr zu sein? Wo ist da der „Pferdefuß“?

Lisa Keil: Ja, alle lieben Rob :-) Schon als Nebenfigur im ersten Band hat er die Herzen der Leserinnen erobert - verständlicherweise. Aber er ist nicht perfekt. Er will es allen recht machen, meidet Konflikte und trifft außerhalb seines Jobs ungern Entscheidungen. So souverän er als Tierarzt auftritt, zeigt er im Zwischenmenschlichen auch eine unsichere, manchmal fast eigenbrötlerische Seite.

Wir sehen Rob natürlich in erster Linie durch die Augen von Anabel. Und durch meine. Ich schaue auf meine Figuren wie auf Freunde, deshalb liebe ich auch ihre Ecken und Kanten. Auf jeden Fall ist Rob alles andere als der smarte, coole Dreamboy und vielleicht macht gerade das ihn so attraktiv.

Lisa Keil: "Angst und Liebe sind eben starke Gefühle, die eng zusammen gehören. Sie sind der Motor - nicht nur für gute Geschichten."

Privat lesen Sie gerne auch mal Stephen King – als Autorin schreiben Sie aber gefühlvolle Liebesgeschichten. Warum schreiben Sie lieber was fürs Herz und nicht für den Nervenkitzel?

Lisa Keil: Ich habe eine Liebesgeschichte geschrieben, wie ich sie selbst gern lesen würde. Denn oft hat für mich beim Lesen von Liebesromanen etwas gefehlt oder gestört. Da war einfach der Gedanke: Ich glaube, das ginge auch anders. In der Spannung lasse ich mich von vielen Autorinnen bestens versorgen mit Nervenkitzel und tollen Plottwists. Da bleibe ich gern auf der Leserseite.

Kurz noch zu meinem Lieblingsautor Stephen King: Wer schon mal ein Buch von ihm aufgeschlagen hat, der weiß, dass er sehr zart und gefühlvoll über die Liebe schreibt mit lebendigen Figuren und durchaus romantisch. Angst und Liebe sind eben starke Gefühle, die eng zusammen gehören. Sie sind der Motor - nicht nur für gute Geschichten.

Tierarzt Rob und die tätowierte Anabel mit den lila Haaren - Worum geht's im neuen Roman "Hin und nicht weg"?

Rob ist reichlich frustriert als seine beste Freundin Kaya ihre große Liebe Lasse heiratet. Doch ausgerechnet auf Kayas und Lasses Hochzeit begegnet ihm Anabel, die er noch nie zuvor gesehen hat. Und die so offensichtlich nicht ins Bild der Traumhochzeit auf dem Land passt: Mit ihren lila Haaren und den vielen Tattoos. Und dann behauptet sie auch noch frech, sie habe einen Job in seiner Tierarzt-Praxis. Rob nimmt sie beim Wort, er braucht eh dringend Hilfe in der Praxis, die im Chaos versinkt. Nichts ahnend, dass diese Begegnung alles verändern wird.

Hinweis der Redaktion: Den Vorgängerband "Bleib doch, wo ich bin" muss man NICHT gelesen haben, um Robs und Anabels Geschichte genießen zu können!