vor 3 Wochen

Zum Verlieben: Der neue Roman von Petra Hülsmann

Foto: © Inga Sommer

Warum er ohne Bad Boy auskommt, dafür aber das Down-Syndrom thematisiert

Für gefühlvolle, romantische Geschichten vor traumhafter Hamburger Kulisse ist sie bekannt, Petra Hülsmann, selbst begeisterte Wahlhamburgerin. Nach ihrem letzten Erfolgsroman „Wenn’s einfach wär, würd’s jeder machen“, erscheint jetzt ihr neues Buch „Meistens kommt es anders, wenn man denkt“.

Auch wenn der Roman quasi eine „Happy-End-Garantie“ hat, Hülsmanns Lovestorys verlieren nie die Bodenhaftung und befreien sich von gängigen Klischees. Im Interview (siehe unten) erzählt sie, dass man den aktuell so beliebten Bad Boy in ihrem neuen Roman vergeblich sucht. Stattdessen begegnen wir Lenny, dem jüngeren Bruder von Protagonistin Nele, der das Down-Syndrom hat.

Nele ist PR-Expertin mit wenig Glück in der Liebe. Von Männern hat sie vorerst die Nase voll. Dafür will sie im Job jetzt so richtig durchstarten und ihrem Chef Claas zeigen, was in ihr steckt. Dass ausgerechnet in Claas auch mehr Potential steckt, als erwartet, bringt Neles Vorsätze ins Wanken.

Foto: © Inga Sommer

Sie liebt die großen "Hach-Momente", behält aber immer zumindest den "großen Zeh auf dem Boden der Tatsachen", verrät Petra Hülsmann im Interview:

Ihre Bücher sind sehr gefühlvoll, aber nie kitschig – wo liegen die Fettnäpfchen, die man als Autor umschiffen muss, damit die Lovestory nicht rührselig wird?

Petra Hülsmann: Das größte Fettnäpfchen ist, dass man es übertreibt und dadurch unglaubwürdig wird. Ich achte immer darauf, möglichst nah dran zu bleiben am wahren Leben. Natürlich darf eine Szene emotional, romantisch oder manchmal sogar märchenhaft sein, ich liebe ‚Hach-Momente‘. Aber dabei möchte ich immer ein Bein oder einen großen Zeh auf dem Boden der Tatsachen behalten. Das ist ein schmaler Grat, aber meistens gelingt es mir ganz gut.

Petra Hülsmann: „Obwohl in Sachen Integration schon sehr viel passiert ist, gibt es noch immer Berührungsängste und Unsicherheiten...“

Im neuen Roman „Meistens kommt es anders, wenn man denkt“ hat die Heldin einen kleinen Bruder mit Down-Syndrom. Welchen Zugang haben Sie persönlich zum Thema? Und warum wollten Sie es in den Roman einflechten?

Petra Hülsmann: Ich habe eigentlich keinen persönlichen Bezug zu dem Thema, bin also mit niemandem verwandt oder befreundet, der/die das Down-Syndrom hat. Mir ist allerdings aufgefallen, dass Menschen mit Behinderungen, vor allem mit geistigen Behinderungen, in der Literatur nicht besonders häufig vorkommen. Und auch im wahren Leben stehen sie irgendwie ein bisschen am Rande. Obwohl in Sachen Integration schon sehr viel passiert ist, gibt es noch immer Berührungsängste und Unsicherheiten, und viele wissen kaum etwas darüber, wie Menschen mit Behinderungen leben. Das finde ich schade, und daher wollte ich darüber schreiben. Lenny, Neles jüngerer Bruder, ist darüber hinaus einfach ein großartiger Charakter, der ziemlich genau weiß, was er will und der Nele immer wieder dazu antreibt, über ihren Schatten zu springen.

Nele aus „Meistens kommt es anders, wenn man denkt“ ist PR-Expertin und steht beruflich mitten im Leben. Warum klappt es mit der Liebe nicht bei ihr?

Petra Hülsmann: Bei Nele hat es ganz spezielle Gründe, warum es mit ihr und der Liebe nicht hinhaut. Diese Gründe sind vielschichtig und haben mit ihrer Persönlichkeit zu tun und mit dem, was sie erlebt hat. Oberflächlich betrachtet ist es so, dass sie sich einfach immer die falschen Männer aussucht. Und sie macht immer wieder den Fehler, sich in einer Beziehung zu verlieren und ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse hinter die ihres Partners zu stellen. Dahinter steckt noch viel mehr, aber das verrate ich lieber nicht, sonst würde ich spoilern.

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Petra Hülsmann: „Außerdem hat er einen sehr süßen Hund. Wie kann man sich da nicht in ihn verlieben?“

Sie haben angedeutet, dass erfahrene Leser Claas, Neles Chef, schon aus einem früheren Roman kennen… Wann und wo hatte er seinen ersten Auftritt? Und warum ist Claas ein Mann zum Verlieben?

Petra Hülsmann: In meinem ersten Roman ‚Hummeln im Herzen‘ hat die Protagonistin Lena ein Bewerbungsgespräch in Claas‘ Agentur. Rund um dieses Gespräch herum passieren Lena in Claas‘ Anwesenheit ziemlich peinliche Missgeschicke. Mir hat schon damals gefallen, wie gelassen und humorvoll er darauf reagiert, und dass er ihr den Job dann auch noch anbietet. Claas ist ein total sympathischer, charmanter Mann, der ganz ohne diesen ‚Bad-Boy-Flair‘ auskommt, der die männlichen Helden in Liebesromanen heutzutage so oft umgibt. Außerdem hat er einen sehr süßen Hund. Wie kann man sich da nicht in ihn verlieben?

Ein Kritiker hat Ihre Romane einmal als „ZDF-Herzkino“ in Buchform bezeichnet – ist das für Sie Lob oder Kritik?

Petra Hülsmann: Ich kenne den Zusammenhang nicht, in dem das gesagt wurde, insofern ist es für mich erst mal weder das eine noch das andere. Allerdings wird das ZDF-Herzkino ja von vielen ZuschauerInnen geliebt, es verschönert vielen Menschen den Sonntagabend und ist obendrein sehr erfolgreich. Insofern nehme ich es mal als Kompliment.