Nicht erst seit Guido Kretschmers "Geschickt eingefädelt" gilt: Selbernähen liegt im Trend.

Ich nähe, also bin ich

Die Nähmaschine rattert leise, aber rhythmisch vor sich hin. Nach und nach führen die Hände das Stück Stoff am Nähfuß vorbei, vorsichtig und konzentriert. Der eigene Fuß kontrolliert das Tempo, manchmal schneller, manchmal langsamer. Eine innere Ruhe macht sich breit. Im Hier und Jetzt zählt nichts anderes außer die nächste Naht. Nach Tagen oder auch Wochen dann das Ergebnis: ein Kleidungsstück! Ein Stück Einzigartigkeit – und das stolze Gefühl, etwas selbst gemacht zu haben.

Gewinntipp: 1x Nähmaschine zu gewinnen

Das Selbermachen von Kleidung liegt voll im Trend! Wir möchten euch eine Freude bereiten und verlosen 1x die Nähmaschine Carina im Wert von 179 Euro. Macht mit bei unserem Facebook-Gewinnspiel. Kommentiert dort unseren Post und verratet uns, was ihr schon mal selbst erschaffen habt.

Ran an den Stoff: „Endlich einmal wieder Zeit für mich!“

Schon Modedesigner und TV-Liebling Guido Maria Kretschmer wusste: Nähen ist in – denn die Herstellung der eigenen Kleidung ist ein Ausdruck der eigenen Persönlichkeit. Mit dem TV-Format "Geschickt eingefädelt“ hat er der alten Handwerkstradition eine ganze Show gewidmet. Inzwischen widmen sich auch immer mehr DIY-Blogs der großen Kunst mit Nadel und Faden. Gerade in unserer schnelllebigen, digitalen Zeit wünschen sich immer mehr Menschen: Weg vom Bildschirm und wieder einmal mit den Händen arbeiten! Kreativ sein! Etwas Eigenes machen! Das Ergebnis seiner eigenen Arbeit vor Augen sehen. Autor Cal Newport von „Digital Minimalism“, einem Buch über den bewussten Umgang mit digitalen Medien, nennt das „aktive Erholung“ – und davon können wir wohl alle etwas mehr abbekommen.

Fast drei Millionen Menschen in Deutschland stricken, häkeln oder nähen mehrmals in der Woche, rund 6,7 Millionen mehrmals im Monat. Und es werden immer mehr. Nähen, sagen manche Umfragen, habe sogar den bisherigen Spitzenreiter, das Stricken, überholt. Teenies nähen heute und lassen sich von DIY-Blogs inspirieren, auf Youtube finden sich Tausende detaillierter Stich-für-Stich-Anleitungen und auf Pinterest kann man sich Inspiration von den schönsten Ergebnissen holen. Da gibt es zur Frühjahrsdeko kleine selbstgenähte Häschen und Eierwärmer in frühlingsfrischen Farben, kleine Täschchen für Schminkutensilien oder praktische Rucksackbeutel mit Schnürzug in den aktuellen Trendfarben zu entdecken.

DIY-Tipp: Glitzerlesezeichen

Glitzerlesezeichen: Die Anleitung für ein ultimatives Glitzer-Nähprojekt für Mädchen, die gerne lesen, finden Sie hier.

Perfekter Farbvorrat für alle Fälle: Das Nähfaden-Set liefert 20 verschiedene Garnfarben. Ordentlich verstaut im Nähkasten macht Schneidern damit doppelt Spaß

Wie fange ich an? Wir „plaudern aus dem Nähkästchen“:

Haben Sie sich erst einmal für ein Stück Ihrer Wahl entschieden, Ihre Lieblingsfarbe oder ein Lieblingsmuster ausgewählt, dann kann es auch schon losgehen. Für den Nähneuling besonders geeignet sind einfach Stücke wie Kissen, Decken oder Rucksäcke mit Kordelzug.

Die richtige Nähmaschine

Folgende Fragen sollten Sie sich vor der Anschaffung einer Nähmaschine stellen, damit Sie auch noch viele Jahre lang daran Freude haben: Wie oft soll sie benutzt werden? Habe ich viel Platz oder möchte ich sie nach dem Gebrauch platzsparend verstauen können? Mache ich viele Experimente und will ich auch mal was besticken oder bleibe ich eher beim Standardprogramm?

Stoff auswählen

Nicht jeder Stoff eignet sich für jedes Kleidungsstück. Was immer passt: Baumwolle. Sie lässt sich leicht und ohne zu verziehen unter der Nähmaschine durchführen. Aber natürlich soll der Stoff sich vor allem gut auf der Haut anfühlen. Am besten also ab in den Stoffladen und sich vor Ort beraten lassen.

Extratipp: Wichtig ist es, den Stoff immer vorzuwaschen. Dann ist man vor bösen Überraschungen sicher: Es kann nämlich sein, dass er noch einmal einläuft oder auch ausbleicht.

Das passende Nähgarn

Für den Anfang kann man sich merken: schwarzer Faden für dunkle Stoffe, weißer Faden für helle Stoffe. "Unsichtbar" bleiben Nähte, wenn der Faden eine Nuance dunker ist als der Stoff. Wenn man sich mit der Zeit auch an buntere Farben und Muster wagt, kann man auch den Faden entsprechend wählen. Für jeden Stoff gibt es das passende Garn. Am besten eignet sich ein Garn aus robustem Polyester. Wer unsicher ist, lässt sich auch hier im Nähladen beraten.

Weitere praktische Näh-Accessoires

  • Erinnern Sie sich noch an den guten alten Fingerhut? Den hat die Großmutter nicht umsonst getragen – er schützt zuverlässig vor unangenehmen Stichen.
  • Auch eine spezielle Stoffschere kann sehr hilfreich sein, denn sie schneidet den Stoff exakt.
  • Um Schnittmuster aufzuzeichnen eignet sich Schneiderkreide, die bei einer fehlerhaften Zeichnung einfach wieder ausgewaschen werden kann.
  • Ganz wichtig: Stecknadeln: Sie halten den Stoff beim Nähen zusammen. Wichtig beim Feststecken: immer senkrecht zur Naht stecken, dann klappt es auch mit der Nähmaschine.

Schnittmuster zeigen, wo’s lang geht

Was ein Kreuzstich ist, wissen Sie vielleicht noch aus dem Hauswirtschaftsunterricht in der Schule. Aber was sind nochmal überlappt durchgenähte Nahtverbindungen oder Stoß-an-Stoß-Nahtkonstruktionen?

  • Zahlreiche Bücher und Websites beinhalten Anleitungen für Nähspezialitäten wie Knopflöcher, Säume, Reißverschlüsse und mit Schnittmustern, die Sie einfach nur noch ausdrucken und zusammenkleben müssen. Im Nähladen kann man fertige Schnittmuster kaufen.

  • Die Stoffe den Aufzeichnungen nach ausschneiden - am besten rundherum ein Stück überstehen lassen für die "Nahtzugabe" - und den weiteren Anweisungen folgen.

  • Standardgemäß sind in Nähmaschinen Zickzack-Nähfüße eingebaut, mit denen Sie auch geradeaus nähen können. Abweichungen davon stehen in der Anleitung.

Die wichtigste Regel: Einfach anfangen. Wenn Sie sich erst einmal so richtig im Nähen verloren haben, scheint es, als ob die Zeit stehen bleibt. Wenigstens für eine Weile. Da kann selbst das Smartphone nach Feierabend auch gerne einmal in der Ecke liegen bleiben.

Wissenswertes aus der Welt der Redewendungen

Die Erfindung der Nähmaschine hat nicht nur eine ganze Kultur der Kleiderherstellung verändert, sondern auch unsere Alltagssprache:

  1. „Aus dem Nähkästchen plaudern“ – Da Nähen früher Frauensache war, konnten sie in ihrem Nähkasten alles verstecken, was geheim bleiben sollte.
  2. „Verflixt und zugenäht“ – Eine Strophe aus einem Studentenlied aus dem 19. Jahrhundert, nachdem der Mann erfahren hatte, dass seine Geliebte schwanger geworden war.
  3. „der rote Faden“ – Um im 18. Jahrhundert die Segelschiffe der englischen Marine vor Diebstahl zu sichern, verband ein roter Faden alle Taue miteinander; überliefert aus Goethes „Wahlverwandschaften“.

Nähen als Selbstermächtigung: Die Geschichte der Nähmaschine

Anders als beim Stricken oder Häkeln nehmen Sie beim Nähen die mechanische Hilfe der Nähmaschine in Anspruch – und können so weitaus aufwendigere und kompliziertere Schnitte und somit ausgefallenere Kleidungsstücke schneidern. Mit der Erfindung der Nähmaschine im Jahr 1790 durch Thomas Saint konnten die Menschen von nun an selbst ihre Kleidung herstellen. Dass wir im Laufe der Jahrhunderte ein wenig vergessen haben, wie viel Selbstermächtigung in der Herstellung der eigenen Kleidung steckt, soll sich nun wieder ändern. Denn Nähen ist tatsächlich viel zeitgenössischer, als Sie vielleicht vermuten würden.

Fast Fashion war gestern

In Zeiten von Minimalismus und Zero Waste fragen wir uns immer wieder: Was brauche ich zum Leben? Was macht mir Freude und wie kann ich im Einklang mit der Natur leben? Gerade in der die Textilbranche mit sogenannter Fast Fashion stehen leider immer noch menschenunwürdige Arbeitsumstände und umweltverschmutzende Produktionsbedingungen an der Tagesordnung. Doch gerade bei selbst hergestellter Kleidung haben wir viel Zeit und Liebe hineingesteckt. So können wir die Kleider in unserem Alltag noch viele Jahre lang wertschätzen. Auch, um weniger wegzuwerfen und Dinge selbst zu reparieren, ist die Nähmaschine unser bester Freund.

Nähen mit gutem Gewissen

Wie aber kann man nachhaltig nähen, sodass die Kleidung auch mit gutem Gewissen für Kinder geeignet ist?

  1. Zertifizierte Bio-Stoffe + recyceltes Garn verwenden
  2. Kaputte Kleidungsstücke reparieren
  3. Übrig gebliebene Stoffreste für schöne Muster weiter verwerten

Geschenke selbst gemacht und individuell

Warum aber immer nur für sich selbst nähen? Handgemachte Kleider eignen sich auch wunderbar als individuelles Geschenk – um Ihren Liebsten zu zeigen, dass Sie an sie denken. Wie wäre es mit einem Kleidchen zur Geburt des Babys einer lieben Freundin? Oder einer schönen Tischdecke für das gemeinsame Abendessen mit der Familie? Bei Weltbild finden sich jede Menge Anleitungen für Nähfans in Buchform .

25 trendige Ideen aus dehnbaren Jersey finden sich in Jersey Basics - Wohlfühlkleidung selbst genäht ; wahre Nähwunder vollbringen Sie mit der Overlock, Anleitungen für hübsche Dekorationen, schicke Accessoires - auch Taschen - und praktische Helfer für die Gartenarbeit bietet Sonnige Nähideen. Lieblingsstücke für warme Tage. Also, warum nicht einfach mal "ran an den Stoff"?

Tipp: Welche Stoffe eignen sich für Nähanfänger?

Gerade zu Beginn müssen es nicht unbedingt die teuersten Stoffe sein. Die Fehlerquote ist am Anfang noch relativ hoch. Mal verschnippelt man sich schon beim Zuschneiden, mal setzt man eine Naht falsch oder näht links auf links. Je teurer der Stoff da war, desto schwerer fällt es, sich von Nähunfällen zu trennen. Zum Üben sind alte ausrangierte Kleidungsstücke auch nicht verkehrt.

Einfache Stoffe, die es zum Beispiel in Möbelketten oder Kaufhäusern gibt, sind top-geeignet, um erste Näh-Projekte zu starten. Sie sind auch später für viele Näharbeiten eine super Lösung. Eine gute Idee ist Upcycling - mal was aus einem alten Sommerkleid oder einer getragenen Jeans schneidern! Das ist kreativ und fördert nicht nur die Näh-Skills, sondern nützt auch der Umwelt!