vor 3 Wochen

Speise der Götter: Kakao

Eingemummelt in eine kuschelige Decke eine heiße Schokolade trinken – das ist pures Glück im Winter. Das sollten wir uns ab und an gönnen, denn die heiße Schokolade enthält Kakao. Und der hebt nachweislich die Laune - nicht nur wegen seines herrlich schokoladigen Geschmacks, sondern auch wegen seiner gesunden Inhaltsstoffe. Viele werden es gerne hören: Eine Tasse Kakao ist gesund - zumindest die mit viel Kakao und wenig Zucker.

Von Mittelamerika nach Europa

Dass Kakao viele positive Eigenschaften für unsere Gesundheit hat, wussten schon die Azteken. Sie nannten ihn „Nahrung der Götter“ und bereiteten aus Kakaobohnen, Wasser und Gewürzen einen kräftigenden Trank zu: „xocóatl“, die Urform unserer heutigen Schokolade. Das Wort setzt sich aus „xócoc“ (bitter) und „atl“ (Wasser) zusammen, bedeutet also Bitterwasser. Denn frische Kakaobohnen, die Samen des Kakaobaumes, enthalten viele Bitterstoffe. Das war auch der Grund dafür, dass viele Menschen dem Getränk erst einmal gar nichts abgewinnen konnten, nachdem die spanischen Eroberer es aus Mittelamerika mitgebracht hatten. Erst als Zucker und Vanille dazu kamen, erlebte Kakao als Getränk den ersten Boom.

In Europa war Kakao bis ins 19. Jahrhundert hinein der wohlhabenden Bevölkerung vorbehalten. Er wurde zu dieser Zeit ausschließlich in Apotheken als Kräftigungsmittel verkauft. Erst mit der Errichtung der ersten Schokoladenfabriken konnten Kakao und Schokolade so produziert werden, dass sie für alle erschwinglich wurden. Heute lieben alle Schokolade, besonders die Schweizer und die Deutschen, die mit 12 bzw. 11,3 Kilo pro Kopf und Jahr Spitzenreiter beim Vertilgen von Schokolade sind. Um Macht und Schokolade geht es auch in einem aktuellen historischen Frauenroman im Stuttgart des 19. Jahrhunderts von Maria Nikolai, den wir Ihnen hier im Magazin mit einem exklusiven Interview präsentieren, ["Die Schokoladenvilla" ]

Von der Bohne zum Kakaopulver

Wie aber wird aus bitterem Kakao süße Schokolade? Die Bitterstoffe der Kakaobohnen werden durch Fermentierung und den Röstvorgang abgebaut. Beim anschließenden Mahlen entsteht ein brauner, duftender Brei, die Kakaomasse. Diese ist die Basis für die Weiterverarbeitung zu Kakaobutter und Kakaopulver oder zu Schokolade. Bei der Herstellung von Kakaopulver wird ein großer Teil der Kakaobutter aus der Kakaomasse herausgepresst. Zurück bleibt der Presskuchen, der – je nach Pressdauer – schwach bis stark entölt ist und zu Pulver verarbeitet wird. Übrigens: Kakaobutter ist eines der teuersten Pflanzenfette überhaupt. Meist wird sie für die Schokoladenherstellung verwendet. Aber auch in der Kosmetik wird das wertvolle Fett geschätzt, denn es besitzt wundheilende Wirkung, hilft gegen trockene Haut und macht Narbengewebe geschmeidiger.

Kakao einkaufen

Schwach entöltes Kakaopulver liefert mindestens 20 Prozent Kakaobutter und gibt der Trinkschokolade einen milden, vollmundigen Geschmack. Stark entölter Kakao, häufig als Backkakao bezeichnet, hat dagegen nur acht Prozent Kakaobutter und schmeckt herber. Für Kakao-Kenner ist darum die schwach entölte Variante ein Muss. Auch die Sorten unterscheiden sich: Forastero ist die gängige Sorte, edle Kakaos wie Criollo oder Trinitario punkten geschmacklich. Immer beliebter wird auch Rohkakao. Für seine Herstellung werden die Kakaobohnen maximal auf 42 °C erhitzt, sodass die wertvollen Inhaltsstoffe erhalten bleiben. Daneben werden ganze Kakaobohnen und Bohnenstückchen – die Kakaonibs – angeboten. Letztere sind auf Müsli, Overnight Oats, Acai Bowls oder Smoothies der absolute Trend bei fitnessbewussten Foodies.

Und was ist mit Schokolade? In der gängigen Milchschokolade ist nicht viel Kakao enthalten, dafür Milchpulver, viel Zucker und Aromen. Den ganz puren Genuss mit dem Plus für die Gesundheit bietet Bitterschokolade mit mindestens 70 Prozent Kakao. Sie enthält lediglich Kakaobutter für den zarten Schmelz und relativ wenig Zucker. Sie ist also auch vegan. Bitterschokolade liegt im Trend - daher finden Sie im Laden derzeit eine große Auswahl an Produkten.

Kakao aufbewahren

Kakaopulver sollte kühl aufbewahrt werden, aber nicht im Kühlschrank. Ein luftdicht verschließbares, lichtundurchlässiges Gefäß ist ideal. Dann bleibt das schokoladige Aroma lange erhalten und Fremdgerüche haben keine Chance.

Superfood Kakaobohne

"Kein zweites Mal hat die Natur eine solche Fülle der wertvollsten Nährstoffe auf einem so kleinen Raum zusammengedrängt wie gerade bei der Kakaobohne.", sagte der Naturforscher Alexander von Humboldt (1769-1859). Recht hatte er: Mineralstoffe: Kakao hat von allen pflanzlichen Lebensmitteln den höchsten Magnesiumgehalt. Außerdem liefert Kakao Calcium für Knochen und Zähne und Eisen für den Sauerstofftransport im Blut. Antioxidantien: Sekundäre Pflanzenstoffe im Kakao, vor allem aus der Gruppe der Flavonoide, schützen als Antioxidantien unsere Körperzellen vor Schäden durch die sogenannten freien Radikale. Fette: Kakaobutter enthält viele einfach ungesättigte Fettsäuren, die einen positiven Einfluss auf den Cholesterinspiegel im Blut und damit auf das Herz-Kreislaufsystem haben. Außerdem werden Kakao aufgrund der oben genannten und weiterer Inhaltsstoffe noch folgende Eigenschaften zugeschrieben:

Kakao…

  • senkt den Blutdruck
  • stabilisiert den Blutzucker
  • kräftigt das Immunsystem
  • fördert die Verdauung
  • steigert die Gehirnleistung
  • hemmt den Appetit

Eine Studie hat sogar gezeigt, dass das Alkaloid Theobromin in Kakao besser gegen Reizhusten hilft, als das Alkaloid Codein, das in rezeptpflichtigen Hustenmitteln enthalten ist.

Kakao ist Balsam für die Seele

Kakao enthält verschiedene Stoffe, die dafür sorgen, dass unser Körper Glückshormone ausschüttet, darunter Serotonin, die natürliche Liebesdroge Phenylethylamin sowie das bioaktive Lipid Anandamid, das Glückseligkeit bedeutet und an den selben Rezeptoren andockt, wie das THC der Cannabispflanze.

Rezept | Schokotrunk nach Azteken Art:

Schokotrunk nach Azteken-Art

Zutaten:

● 4 Tassen Wasser

● 1 Vanillestange

● 1 kleines Stück Chili (nach Geschmack)

● 1 Tasse Kakaopulver

● 1 EL Honig, Agavendicksaft o.ä.

Zubereitung:

Vanillestange längs einschneiden. Chili entkernen und fein hacken.

Das Wasser mit der Vanillestange aufkochen, Chilistücke dazugeben und mitkochen lassen.

Das Kakaopulver mit etwas Wasser anrühren, in das kochende Wasser geben und alles noch einmal aufkochen lassen. Vanillestange entfernen und die Flüssigkeit fein pürieren, bis der Kakao schäumt. Am Schluss das Süßungsmittel der Wahl hineingeben und gut verrühren.

Wer lieber die cremig-süße Kakaovariante mit Milch und Sahne genießt, hemmt damit zwar die Superfood-Kräfte der Kakaobohne – aber Glücksgefühle gibt es trotzdem!