vor 3 Wochen

Wintertrend: Räuchern

Auf dem Sieb eines Räucherstövchens mischen sich schimmernde Weihrauch-Perlen und harzige Palo-Santo-Holzstückchen. Langsam erwärmt die Flamme des Teelichts das Räucherwerk. Es dauert nicht lang und die Holzstückchen entzünden sich. Ein angenehm holziger Geruch breitet sich aus. Dann verglühen auch die Weihrauch-Perlen. Dünne Rauchschwaden steigen auf, und der Weihrauch sorgt für eine leicht zitronige, aromatische Duftnote. Ein kleines Räucherritual, mit dem Altes verabschiedet und Neues willkommen geheißen wird.

Düfte begleiten uns Tag für Tag und beeinflussen, bewusst oder unbewusst, unsere Stimmung und unser Wohlbefinden. Fakt ist, das Aroma verschiedener Räucherwerke lässt uns entspannen und zur Ruhe kommen. Wenn das Räuchern zudem mit einem kleinen Ritual verbunden ist, fällt es noch leichter, den Alltag mit seinem Stress und den täglichen Verpflichtungen für kurze Zeit zu vergessen.

Räuchern gilt als das älteste Ritual der Menschheitsgeschichte. Seit Menschengedenken werden Harze wie Weihrauch sowie getrocknete Kräuter und Hölzer zum Räuchern genutzt. Der Rauch soll den Raum klären und für neue, frische Energie sorgen. Bereits die Sumerer, Babylonier, Perser und alten Ägypter wussten um die vielfältige Wirkung von Weihrauch und anderer Räucherstoffe. Sie führten Räucherrituale mit dem „Schweiß der Götter“ etwa zur Stimmungsaufhellung und bei Totenfeiern durch.
Auch die Medizinmänner und Schamanen der indigenen Völker von Amerika und Australien verbrennen seit Urzeiten in ihren Ritualen Kräuter, Pilze und Hölzer. In Europa war das Räuchern auch früh bekannt: Germanen und Kelten begingen im Jahreslauf acht heilige Feste – jedes mit einer eigenen Räuchermischung. In vielen fernöstlichen Traditionen ist das Räuchern bekannt als Ritual zur Begleitung von spirituellen Riten und Praktiken wie Meditation. Der Rauch soll dazu beitragen, den Geist zu beruhigen und zu zentrieren. Auch in der Bibel ist von Räucherungen die Rede. Die drei Weisen aus dem Morgenland überbrachten zur Geburt Jesu neben Gold und Myrrhe auch den wertvollen Weihrauch, vielleicht wusste man schon damals um die Heilkräfte des Weihrauchharzes. Bis heute wird Weihrauch in der katholischen und in vielen orthodoxen Kirchen verräuchert.

In der Ayurvedamedizin und ebenso in der klassischen europäischen Naturheilkunde kommt Weihrauch bei rheumatischen Erkrankungen zum Einsatz. Wissenschaftlich nachgewiesen ist, dass Weihrauch Körper und Geist des Menschen positiv beeinflusst, entzündungshemmend, schmerzstillend und beruhigend wirkt. Der aromatisch würzige Weihrauch-Duft soll Linderung verschaffen auch bei Patienten, die unter Krankheiten wie Arthrose, Morbus Crohn oder Depressionen leiden. Eine der bekanntesten Weihrauchsorten stammt aus Indien. Dort ist der Salaibaum (Boswellia serrata) beheimatet, aus dem der „indische Weihrauch“ gewonnen wird.

Die Auswahl ist groß: jedes Räucherwerk hat seine Bedeutung

Auch wenn das Räuchern in den meisten Traditionen einen spirituellen oder heilenden Hintergrund hat, nutzen es viele Menschen hierzulande vor allem für das Wohlbefinden und als Reinigung in den eigenen vier Wänden. Der Winter gilt als die beste Zeit für Räucher-Rituale, sei es für eine festliche Stimmung im Advent, zwischen den Jahren (Stichwort: Rauhnächte) oder für ein begrüßendes Neujahrsritual, für die Vertreibung von verbrauchten Energien und für Frische und Reinheit in Haus oder Wohnung, wenn der Frühling erwacht.

Kann jeder zu Hause räuchern?

Aber ja. Ein Räucher-Ritual beginnt im Wohnzimmer. Das Stövchen steht am besten jeweils ein paar Minuten an verschiedenen Stellen im Raum, so dass der Rauch überall hingelangt. Auch und vor allem in die Ecken, denn hier soll sich die Energie stauen und festsetzen. Wenn das gesamte Wohnzimmer leicht von Rauch und dem angenehmen Duft erfüllt ist, geht es langsamen Schrittes ins nächste Zimmer.

Zum Räuchern der Wohnung oder des Hauses brauchen Sie:

  • ein feuerfestes Gefäß aus Metall, Stein, Terrakotta oder Ton, dazu Sand (Quarzsand, Feuersand oder Vogelsand) oder ein Räucherstövchen mit Teelicht. Für den Anfang genügt auch ein Blumentopf mit Erde.

  • Räucherkohle in Tablettenform und feuerfeste Zange, ggf. feuerfester Löffel

  • Räucherwerk – im Handel gibt es neben vielen Weihrauch-Harzen, Mischungen und einzelne Sorten aus getrocknetem Pflanzenwerk wie Kräutern, Blüten, Hölzern, Gräsern, Samen, Nadeln, Wurzeln, Harzen, Beeren, Flechten. Sie werden nach Anwendungsart bzw. gewünschter Wirkung (zum Beispiel „Hausreinigung“, „Engelkommunikation“, „Glück“ oder „Schlaf gut“) oder nach Duftnote ausgesucht. Darauf achten, dass alles frei von künstlichen Aromen, Füll- und Zusatzstoffen ist. Vorsicht: Asthmatiker und andere geschwächte Personen sollten generell ärztlichen Rat einholen, bevor sie zu Hause das Räuchern ausprobieren.

Am meisten Rauch erhält man mit Kohletabletten. Wem das zuviel ist oder wer befürchtet, den Rauchmelder zu aktivieren, nimmt als Alternative ein Räucherstövchen mit Sieb und Teelicht. Dabei kommt das Räucherwerk direkt auf das Sieb, und das Teelicht darunter bringt es zum Glimmen. Bei sehr feinem Räucherwerk am besten ein Stück Alufolie zwischen Sieb und Räucherwerk legen, das hat zudem den Vorteil, dass das Sieb nicht gereinigt werden muss.

Wenn die ganze Wohnung gleichmäßig geräuchert wurde, wird das jeweilige Ritual mit einer Bitte und einem „Namasté“ – die Handflächen vor dem Oberkörper aneinandergelegt – abgeschlossen. Dann die Fenster öffnen, damit der mit negativen oder "verbrauchten" Energien angereicherte Rauch abziehen kann. Zurück bleibt eine angenehme Atmosphäre von Frische und Reinheit.

Schritt-für-Schritt-Anleitung: So räuchern Sie Ihre Wohnung

Haben Sie Lust bekommen, das Räuchern zu Hause auszuprobieren? Hier erhalten Sie eine genaue Anleitung für das Räuchern mit Räucherkohle, die in Tablettenform im Handel erhältlich ist. Wenn Sie mögen, veranstalten Sie doch ein kleines Ritual: Stellen Sie sich beim Räuchern vor oder bitten Sie darum, dass alte, verbrauchte Energie vom Rauch aufgenommen wird und beim Lüften das Haus verlässt.

  • Achten Sie darauf, dass Ihr Räuchergefäß auf einem ebenen und feuerfesten Untergrund steht. Bedenken Sie, dass Sie das Gefäß gut tragen können müssen und dass es warm werden kann. Ein Tablett oder stabiles Schneidebrett bietet sich hierfür an.

  • Füllen Sie Ihr Gefäß mit Vogel- oder Räuchersand bzw. einen Tonblumentopf mit Erde.

  • Wählen Sie das Räucherwerk aus. Auch eine Mischung ist möglich. Weihrauch verbrennt zum Beispiel besser, wenn größere Stücke umgeben sind von kleinerem Räucherwerk – etwa Hölzern oder Kräutern. Größere Stücke zuvor ggf. zerkleinern, zum Beispiel mit einem Mörser. Für eine Räucherung braucht es, je nach Größe, ca. einige Teelöffel Räucherwerk.

  • Nehmen Sie eine Kohletablette aus der Packung. Halten Sie die Tablette mit einer feuerfesten Zange und zünden Sie die Seite der Tablette an.

  • Einen Augenblick warten, bis sich erste weiße Stellen in der Kohletablette bilden. Dann legen Sie sie mit der flachen Seite nach unten auf den Sand bzw. die Blumenerde.

  • Sobald die Kohletablette komplett von der Glut durchwandert ist, etwas Räucherwerk in die Einkerbung der Tablette legen. Wenn der Rauch des Räucherwerks aufsteigt, können Sie beginnen.

  • Nehmen Sie das Gefäß und stellen Sie es abwechselnd an verschiedene Stellen des Zimmers. Oder gehen Sie damit den Raum ab. Das Zimmer wechseln, sobald sich etwas Rauch darin verteilt hat.

  • Verbranntes Räucherwerk vorsichtig entfernen – mit Hilfe eines kleinen Tee- oder speziellen Räucherlöffels – und neues nachlegen.

  • Wenn alle (gewünschten) Zimmer geräuchert sind, gut durchlüften.

  • Nach der Hausräucherung ggf. duschen, um den Geruch – und, auch das können Sie sich vor Ihrem inneren Auge vorstellen, – in Ihrem Körper gelöste, nicht mehr hilfreiche Energien abzuwaschen.