vor 9 Monate

Hexen auf der Spur: Deana Zinßmeister

Foto: © M. Jungen

Es war eine düstere Zeit, zu der Deana Zinßmeisters Romane spielen. Im Europa des 17. Jahrhunderts herrschten Krieg und die kleine Eiszeit. Das bedeutete schlechte Ernten, Hunger, Pest und der tägliche Kampf ums Überleben für die meisten Menschen. Das Böse musste seine Finger im Spiel haben! „Jemand musste Schuld daran haben, dass die Ernte auf den Feldern verfaulte oder die Kuh nicht genügend Milch gab“, erklärt Deana Zinßmeister den Hexenglauben, der damals das Denken bestimmte. In ihren Romanen „Das Hexenmal“, „Der Hexenturm“ und „Der Hexenschwur“ erzählt die Erfolgsautorin aus dem Saarland drei fesselnde historische Geschichten von Hexenwahn und Verfolgung, aber auch vom "Licht der Liebe" in der Düsternis. Die Trilogie ist ab sofort als günstige Weltbild-Ausgabe erhältlich.

Akribisch genau – wie die Archäologin, die sie früher immer hatte werden wollen – recherchiert Deana Zinßmeister die alltäglichen Grauen und besonderen Schicksale des 17. Jahrhunderts. Dazu arbeitet sie mit Historikern zusammen wie dem Geschichtswissenschaftler Prof. Dr. Johannes Dillinger, der einen Lehrstuhl in Oxford innehat. Und stößt immer wieder auf verblüffende Funde in den Archiven: Wie die wahre Geschichte des Hexenkindes Anna Paumann, die sich mit elf Jahren selbst der Hexerei bezichtigte. „Auch als das Gericht dem Kind riet, es solle widerrufen, weigerte sich Anna, so dass man das Kind zum Tod verurteilte. Ihre Geschichte erzähle ich im Roman "Das Hexenmal“, so Zinßmeister im Interview.

Deana Zinßmeister im Interview über Hexenwahn, wahre Geschichten und das Licht der Liebe

"Sie hofften, dass ihre Not verschwinden würde, wenn zum Beispiel die Nachbarin mit dem „bösen Blick“ der Hexerei überführt werden würde."

Glaubten die Menschen damals tatsächlich an die Existenz von Hexen und Zauberei oder spielten bei der Hexenverfolgung öfters Machtgier und Gewaltlust eine Rolle?

Deana Zinßmeister: Die Menschen der Zeit vor 1800 glaubten an Magie, Hexen und Geisterwesen. Das galt für einfache Bauern ebenso wie für führende Intellektuelle, zum Beispiel Luther, Paracelsus oder Shakespeare. Wir können diese Menschen, ihr Leben und ihr Handeln nicht verstehen, wenn wir das nicht akzeptieren. Erst auf der Grundlage des allgemeinen Glaubens an Hexen konnten einige Wenige Karrieren als Hexenverfolger aufbauen – und dabei ein gutes Gewissen behalten. Zudem gab der Glaube an Hexen und Zauberei den Menschen Hoffnung. Sie hofften, dass ihre Not verschwinden würde, wenn zum Beispiel die Nachbarin mit dem „bösen Blick“ der Hexerei überführt werden würde. Jemand musste Schuld daran haben, dass die Ernte auf den Feldern verfaulte oder die Kuh nicht genügend Milch gab.

Was prägte die Denk- und Handlungsweise der einfachen Menschen damals?

Deana Zinßmeister: Das Leben war geprägt von harter Arbeit, meist in der Landwirtschaft. Man lebte sein Leben in starken Gemeinschaften, der Familie und dem Dorf. Diese Gemeinschaften unterstützten den einzelnen, ließen ihm aber wenig Freiräume. Denken und Handeln waren verbunden mit einem starken religiösen Glauben und dem Glauben an Magie.

"Wir wollen, dass sie verstehen, wie die Menschen in der Vergangenheit dachten und handelten."

Warum erzählen Sie lieber über das einfache Volk als von bekannten Personen der Zeitgeschichte?

Deana Zinßmeister: Es ist eine Herausforderung über das einfache Volk zu berichten, da es kaum Aufzeichnungen hinterlassen hat. Die meisten Menschen damals konnten weder schreiben noch lesen. Die wenigen, die es konnten, hatten kaum Zeit, ihr Leben niederzuschreiben, denn das war geprägt von beständigem Überlebenskampf. Um diese Charaktere zu beschreiben, muss ich tief in den Archiven graben und mich intensiv mit Historikern austauschen. Außerdem denke ich, dass Leserinnen und Leser das Leben, die Nöte und die Ängste des Bauern, des Städters, des Handwerkers und deren Familie eher nachvollziehen können als das abgehobene Leben des Adels. Dennoch treten auch historische Persönlichkeiten wie Franz von Sickingen, Karl Kasper von der Leyen oder andere Personen in meinen Romanen auf. Ich nutze sie, um die Zeit in der meine Geschichten spielen, einzukreisen und so meinen Leserinnen und Lesern greifbar zu machen. Ich bin froh, dass der renommierte Historiker und Fachbuchautor Professor Dr. Johannes Dillinger (Oxford), mein wissenschaftlicher Berater ist. Ich, als Autorin historischer Romane und Dillinger als Historiker ziehen am selben Strang. Wir benutzen unterschiedliche Medien und schreiben nicht für dasselbe Publikum. Aber wir haben das gemeinsame Anliegen, unseren Lesern und Leserinnen die Vergangenheit nahe zu bringen. Wir wollen, dass sie verstehen, wie die Menschen in der Vergangenheit dachten und handelten.

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"Wolfsbanner, Magier, Hexenkind oder Geldmännchen - alle sind historisch belegt und spielen wichtige Rollen in meinen Romanen"

Stoßen Sie bei Ihren Recherchen auch über Überraschendes? Erinnern Sie sich an einen besonderen „Fund“?

Deana Zinßmeister: Ein besonderer Fund war die wahre Geschichte von Anna Paumann, die sich mit elf Jahre selbst der Hexerei bezichtigte. Auch als das Gericht dem Kind riet, es solle widerrufen, weigerte sich Anna, so dass man das Kind zum Tod verurteilte. Ihre Geschichte erzähle ich im Roman "Das Hexenmal". Ein anderer Fund war der Wechselbalg im dritten Band der Hexenreihe "Der Hexenschwur". Bei meinen Recherchen über den Reformator Martin Luther bin ich auf diesen Aberglauben gestoßen. Viele Leserinnen und Leser kennen zwar den Ausdruck, nicht aber die Hintergründe dieses Aberglaubens. In jedem meiner Romane erfahren die Leserinnen und Leser Interessantes über außergewöhnliche Menschen, die tatsächlich existiert haben. Wolfsbanner, Magier, Hexenkind oder Geldmännchen - alle sind historisch belegt und spielen wichtige Rollen in meinen Romanen. In jedem meiner Bücher gibt es Nachworte, in denen ich dann erzähle, was Tatsache ist und welche Personen oder Ereignisse historisch belegt sind.

Was verbindet Sie mit dem Autorenehepaar Iny Lorentz?

Deana Zinßmeister: Ich hatte das große Vergnügen die beiden auf der Frankfurter Buchmesse vor Jahren kennen zu lernen. Seit dem verbindet uns eine berufliche Freundschaft. Oft waren sie Gäste auf meinen Premierenlesungen. Zudem haben sie einige meiner Romane positiv bewertet.

"Man kann sie mit einem Licht vergleichen, das das Dunkel durchdringt ..."

Wie wichtig ist eine Liebesgeschichte für einen historischen Roman?

Deana Zinßmeister: Gerade die Zeit, in der meine Romane spielen (1600-1700), war geprägt von kriegerischen Auseinandersetzungen und der kleinen Eiszeit. Beides brachte unsäglichen Hunger und großes Leid über das Volk. Dadurch wurden Aberglaube, Misstrauen und Neid geschürt. Wenn man diese Zustände in einem Roman beschreibt, wirkt er düster und hoffnungslos. Deshalb ist es wichtig, auch eine zu Herzen gehende Liebegeschichte zu erzählen. Man kann sie mit einem Licht vergleichen, das das Dunkel durchdringt und Farbe in den Roman bringt.