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vor einem Monat

Jagd auf den Blutkünstler

Chris Meyer ist Schriftstellerin und Drehbuchautorin. Der Durchbruch als Autorin gelang ihr mit dem Roman „Schattenfreundin“, den sie unter ihrem bürgerlichen Namen Christine Drews veröffentlichte und der fürs ZDF verfilmt wurde. Ganz neu erschienen ist jetzt ihr Thriller "Der Blutkünstler", in dem ein Frauenmörder blutrünstige Kunstwerke aus seinen Opfern formt. Foto: © Teresa Rotwangl

Blutige Kunst: Chris Meyer lässt Nervenkitzel-Fans wohlig erschauern

Kathy Reichs, Karin Slaughter oder Jilliane Hoffman sind die besten Beispiele: mit weiblichem Fingerspitzengefühl lassen sich die spannendsten Thriller schreiben. Autorinnen tauchen ab in die Psyche ihrer Täter, scheuen aber auch nicht zurück vor Action und blutigen Details. Chris Meyer belegt die These mit ihrem neuesten Thriller "Der Blutkünstler", in dem ein Frauenmörder mit besonders kreativen Killermethoden sein Unwesen treibt. Er formt aus den verstümmelten Körpern seiner Opfer bizarre Kunstwerke.
Doch wo liegt eigentlich die Grenze zwischen wohligem Grauen und purem Voyeurismus, wenn es literarisch um Gewalt und Folter geht? Chris Meyer hat klare Do's and Dont's, wie sie im Interview weiter unten erzählt. Also ab aufs Sofa, Decke bis unters Kinn ziehen und den Nervenkitzel genießen.

Worum geht's im Thriller "Der Blutkünstler"?

Tom Bachmann ist "Seelenleser" beim BKA, sein Job: sich in die Psyche von Serienkillern und Frauenmördern hineinversetzen. Doch was treibt einen Täter zu solch einer Inszenierung an? Die Düsseldorfer Galeristin Senta van Darten wird eines Tages selbst zum grotesken Kunstwerk. Ihr Mörder hat sie mit langen Zimmermannsnägeln auf eine große Leinwand getackert, der Schädel gespalten und die Hirnmasse mit Nägeln neben dem Kopf drapiert. Der Blutkünstler foltert seine Opfer lange und mit Vergnügen bevor er sie groß in Szene setzt. Tom Bachmann setzt alles daran, den Killer zu fassen – dabei muss er sich jedoch einer verstörenden Wahrheit stellen, einer Wahrheit, die erklärt, warum er der Einzige ist, der den Killer aufhalten kann.

Wie voyeuristisch dürfen Gewaltszenen in Thrillern sein? Und was fasziniert sie an Serienkillern? Chris Meyer im Interview:

In Ihrem neuen Thriller „Blutkünstler“ ermittelt Tom Bachmann. Was für ein Typ ist er, was macht ihn aus?

Chris Meyer: Tom Bachmann ist ein Mann, der durch seine Vergangenheit geprägt worden ist. Er weiß, dass er eine dunkle Seite hat, aber er weiß auch, wie er sie im Griff behalten kann. Seine Arbeit als Profiler hilft ihm dabei. Die Jagd auf Serienmörder lässt ihn sein Trauma und die daraus entstandenen Folgeerscheinungen vergessen – jedenfalls für eine Weile. Emotionen kann Tom nur schwer zulassen, sich in eine Frau zu verlieben scheint unmöglich. Doch das Ausblenden aller Gefühle hat auch einen Vorteil: sein Verstand kann ungestört arbeiten und wird durch nichts abgelenkt.

Bachmanns Spitzname ist „Seelenleser“. Wie geht ein Profiler vor?

Chris Meyer: Die Aufgabe eines Profilers ist, hinter die menschliche Fassade zu blicken. Im Mittelpunkt steht also immer die Frage nach dem Warum. Warum hat der Täter sich für diese Tatwaffe entschieden? Warum hat er sein Opfer auf diese Weise getötet? Warum wurde er überhaupt zum Mörder? Ein Profiler versucht, sich in die Psyche des Täters hineinzudenken, versucht zu ergründen, was ihn zu der Tat antrieb, welche Traumata oder Triebe dafür verantwortlich sind – kurz: Er versucht, ihn zu verstehen. Denn durch das Verständnis für die Taten und die Vorgehensweise des Täters, ist dieser in der Regel auch leichter zu finden.

Welche Regeln gelten für Sie beim Thrillerschreiben? Gibt es Ekel-Grenzen und No-Go‘s oder muss man Grenzen überschreiten?

Chris Meyer: Ja, es gibt klar No-Go’s für mich. Dazu zählen unter anderem Morde an Kindern. Das möchte ich als Leserin selbst auch nicht lesen, warum sollte ich es dann schreiben? Außerdem mag ich es nicht, wenn Folter- oder Vergewaltigungsszenen voyeuristisch beschrieben werden. Es gibt so viele brutale Thriller, in denen junge Mädchen gefangen gehalten und permanent vergewaltigt werden. Viele dieser Szenen sind aus einem fast lustvollen Blickwinkel geschrieben worden. Es wird die Lust des Täters beschrieben, um den Voyeurismus des Lesers zu befriedigen. Ich finde, man muss sich als AutorIn genau überlegen, inwiefern man das bedienen möchte. Ich möchte das jedenfalls nicht.

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Bachmann und sein Team jagen einen sadistischen Frauenmörder. Haben Sie eine besonders lebhafte Fantasie oder gibt es solche Menschen tatsächlich? Was fasziniert Sie an Serienkillern?

Chris Meyer: Es gibt leider sehr viele sadistische Frauenmörder. Einer der bekanntesten, Ted Bundy, dürfte sicherlich vielen ein Begriff sein. Er hat über dreißig Frauen vergewaltigt und brutal ermordet. Oder Ed Gein, der das Vorbild für „Das Schweigen der Lämmer“ war und in dessen vermüllten Haus Leichenteile von siebzehn verschiedenen Frauen gefunden wurden. Ich zitiere in „Der Blutkünstler“ einige wahre Fälle, die es tatsächlich gegeben hat. Viele Serienkiller sind Psychopathen und genau das ist es, was mich so an ihnen fasziniert. Ihnen fehlt, aus unterschiedlichen Gründen, jede Empathie. Dadurch sind sie in der Lage, andere auf zum Teil ganz erstaunliche Art und Weise zu manipulieren. Diese psychische Andersartigkeit ist es, die mich an Serienkillern fasziniert.

Der „Blutkünstler“ formt aus den Körpern seiner Opfer bizarre Kunstwerke. Geben Sie den Nervenkitzel-Fans ein Beispiel? Und wie kommt man auf so eine Idee?

Chris Meyer: Das erste Opfer des Blutkünstlers wird von ihm auf eine Leinwand genagelt und dort so lange gefoltert, bis der Mörder ihm schließlich den Schädel öffnet und endlich erlöst. Ich weiß, das klingt furchtbar brutal, aber das Besondere an diesem Täter ist, dass er nicht einfach einem Blutrausch verfällt. Jedes Detail seiner Morde hat eine Bedeutung, nichts ist ohne Sinn. Jede Foltermethode führt er aus einem ganz bestimmten Grund aus – und genauso bin ich auf diese Morde gekommen. Ich habe mir zuerst das Motiv des Täters überlegt und dann genau konstruiert, wie er zu einem derartigen Sadisten wurde. Seine Kindheit, seine Jugend, Puzzleteil für Puzzleteil wurden so zusammengefügt. Und am Ende war klar, dass er nur auf diese eine Art und Weise töten konnte. Alles liegt in seinem Motiv begründet.

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