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Susanne Fröhlich: Wie Fasten ihr Rheuma kurierte

Foto © Gräfe und Unzer, Gaby Gerster

"Fast wie gedopt"

Fröhlich fasten - Sie denken, das klingt wie ein Widerspruch in sich? Die meisten Menschen bekommen ja eher schlechte Laune, wenn der Magen knurrt und keine Mahlzeit in Sicht ist. Heute nicht und morgen nicht, diese Woche nicht und nächste auch nicht. Genau dieses Experiment hat Bestsellerautorin und Moderatorin Susanne Fröhlich gewagt. Rund einen Monat lang fastete sie, außer Flüssigkeit in Form von Wasser und verdünnten Säften gab es nichts zu essen.

Den Anstoß dafür gab ihr Rheuma, das sie zunehmend in allen Lebenslagen einschränkte. Die Schulmedizin konnte ihr nicht weiterhelfen. Erst das Fasten bewirkte den Umschwung. Und auch ihrer Frohnatur tat die radikale Kur keinen Abbruch. Denn, sagt sie, sei der Anfang geschafft, setze der Körper beim Fasten stimmungsaufhellende Hormonbotenstoffe frei. "Dann fühlt man sich seltsam beschwingt, geradezu gedopt", erzählt Susanne Fröhlich im Weltbild-Interview. "Zum einen sind es Hormone, die uns das „Nicht-Essen“ erleichtern, zum anderen ist es sicher auch die eigene Willenskraft, die einen bestärkt, stolz und glücklich macht."

Lese-Tipp:

Im Magazin Beitrag Fasten – viel mehr als nur Verzicht lesen Sie alles über den Gesundheitstrend Fasten - vom Heilfasten bis zum Basenfasten mit den besten Tipps zum Durchhalten.

Susanne Fröhlich: "Dass Verzicht auf feste Nahrung soviel bewirken kann, hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht für möglich gehalten."

Welche Erwartungshaltung hatten Sie, als Sie zum ersten Mal gefastet haben? Waren Sie skeptisch? Und wie sind Sie das Fasten angegangen?

Susanne Fröhlich: Ich war, was das Fasten angeht, mehr als skeptisch. Dass Verzicht auf feste Nahrung soviel bewirken kann, hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht für möglich gehalten. Aber da ich Rheuma habe und auf Dauer nicht immer wieder Cortison nehmen wollte, dachte ich, es sei einen Versuch wert. Was man nicht probiert, kann auch nicht gelingen lautet mein Motto, und so habe ich das Fasten einfach mal ausprobiert. Ich war schon überrascht, wie unglaublich das Fasten gewirkt hat. Meine Entzündungen durchs Rheuma sind verschwunden, der Rheumafaktor in meinem Blut war weg und ich habe einiges an Gewicht verloren. Meine Blutwerte waren top und ich habe mich sehr gut gefühlt.

Susanne Fröhlich: "Ich arbeite mich nicht mehr an Zahlen auf meiner Waage ab... Ich möchte gerne alt werden."

Für viele Ihrer LeserInnen wurden Sie als „Moppel-Ich“ zur Identifikationsfigur. Wie für viele Frauen war mal mehr, mal weniger Gewicht früher ein Dauerthema für Sie. Heute sind Sie gertenschlank und trainiert. Hat das Fasten dazu beigetragen?

Susanne Fröhlich: Ich arbeite mich nicht mehr an Zahlen auf meiner Waage ab. Versuche es jedenfalls. Mein Ziel ist es, gesund und fit zu sein. Ich möchte gerne alt werden. Regelmäßiges Fasten hilft, das Gewicht stabil zu halten oder auch ein paar Weihnachtskilos loszuwerden. Fasten ist ein perfektes Regulativ.

Wie regelmäßig und wie lange fasten Sie heute?

Susanne Fröhlich: Ich faste etwa zweimal im Jahr. Je nach Befinden. Wenn ich merke meine Schultern oder Hüften fangen wieder an zu schmerzen, dann lege ich eine Fastenzeit ein.

Was halten Sie von Intervallfasten – ist das der kleine Bruder vom „echtem Fasten“? Oder einfach eine alltags- und arbeitsfreundliche Variante?

Susanne Fröhlich: Intervallfasten ist sicherlich eine einfachere Variante. Sozial verträglicher. Wenn man allerdings gesundheitlich etwas bewirken will, empfehlen Ärzte das Heilfasten. Wenn es nur um den Gewichtsverlust geht, kann man auch mit intermittierendem Fasten starten.

Seit Susanne Fröhlich regelmäßig fastet, kann sie wieder Sport betreiben, am liebsten geht sie joggen.

Die meisten Menschen bekommen schlechte Laune, wenn sie Hunger haben. Aber der gezielte Nahrungsverzicht kann angeblich stimmungsaufhellend wirken. Wie funktioniert das bzw. wie erleben Sie das?

Susanne Fröhlich: Zu Beginn des Fastens ist es oft schwierig. Der Körper ist beleidigt, vermisst das Essen und man hat Hunger. Erstaunlicherweise legt sich der Hunger relativ schnell, der Appetit allerdings bleibt. Das kann mitunter wirklich hart sein. Aber zum Glück ist unser Körper schlau und setzt beim Fasten vermehrt stimmungsaufhellende Hormonbotenstoffe frei. Dann fühlt man sich seltsam beschwingt, geradezu gedopt. Ich bin dann immer voller Tatendrang und fühle mich sehr, sehr gut. Es ist faszinierend, wozu der Körper ohne feste Nahrung in der Lage ist. Zum einen sind es also Hormone, die uns das „Nicht-Essen“ erleichtern, zum anderen ist es sicher auch die eigene Willenskraft, die einen bestärkt, stolz und glücklich macht.

Susanne Fröhlich: "Verzicht kann ein absoluter Gewinn sein. Man gewinnt Zeit. Kommt raus aus dem täglichen Hamsterrad."

Sie haben sich immer als Mensch beschrieben, der viel Freude an Essen, Genuss und Geselligkeit hat. Hat sich Ihr Verhältnis zur Nahrungsaufnahme durchs Fasten verändert? Und verzichten Sie heute allgemein bewusster? Was halten Sie z.B. von Digital Detox?

Seit ich faste, esse ich ein wenig bewusster, aber immer noch sehr gerne. Nach dem Fasten hat man das Gefühl, den Körper einmal grundgereinigt zu haben, da will man den Körper nicht mit Junk Food vollstopfen. Auch die Begierden verändern sich. Die Geschmacksnerven verfeinern sich. Verzicht kann ein absoluter Gewinn sein. Man gewinnt Zeit. Kommt raus aus dem täglichen Hamsterrad. Deshalb ist auch ein zeitweises Digital-Detox natürlich eine kluge Sache.

Was raten Sie jemandem, der überlegt zu fasten, aber Angst vor dem Hunger oder dem Aufgeben hat? Muss der Leidensdruck hoch sein, damit man den Schritt wagt und auch durchhält?

Susanne Fröhlich: Angst ist nie ein guter Ratgeber. Fasten ist auf jeden Fall eine Option und allemal einen Versuch wert. Wenn ich es kann, eine Frau mit der Essensmentalität eines austrainierten Labradors, dann kann es tatsächlich jeder schaffen. Das Verrückte: Der Gedanke ans Fasten ist sehr viel schlimmer als das Fasten selbst. Trauen Sie sich einfach mal!