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Franziska Kurz
Franziska Kurz

Mord made in Bavaria

Welche wahren Umwelt-Verbrechen Nicola Förg aufregen. Die Krimi-Autorin im Interview

Aktuell als Krimi-Paket bei Weltbild erhältlich: Die Irmi-Mangold-Fälle Nummer 10 bis 12. Band 13 ("Hohe Wogen") ist auch schon erschienen, Band Nummer 14 ("Dunkle Schluchten") folgt im Februar 2023

Es gibt viel Licht, aber auch viel Schatten zwischen den hohen Bergen.

Ein Interview von Kulturjournalistin Franziska Kurz

In Bayern ist die Welt noch in Ordnung, meinen wir. Wer gerne in Klischees denkt, sieht vor seinem geistigen Auge idyllische Dörfer, Rehe am Waldesrand, Tracht und Brauchtum. Doch natürlich wohnen auch hinter so manchem schön geschnitzten Holzbalkon Zwietracht, Neid und Hass…
Eine, die das ganz genau weiß, ist Bestsellerautorin Nicola Förg, die im Landkreis Weilheim-Schongau zuhause ist. Seit 13 Jahren schreibt sie die erfolgreiche Krimi-Serie rund um Kommissarin Irmi Mangold von der Garmischer Kripo. Doch Morde made in Bavaria allein machen Nicola Förgs Erfolgskrimis nicht aus – bei ihr spielen immer auch ganz reale Missstände eine Hauptrolle. Also Verbrechen an Natur und Tieren wie zum Beispiel die industrielle Geflügelhaltung (im neuen 14. Band, der Ende Februar erscheint).
Die Bände 10 bis 12 gibt es aktuell übrigens als günstiges Krimi-Paket von Weltbild. In „Böse Häuser“, „Flüsternde Wälder“ und „Wütende Wölfe“ geht es um Tierschutz, Immobilienpreise, Almen, Heilsversprechen, Wölfe – und zwischendurch wird gemordet, was das Zeug hält.

Alle Irmi-Mangold-Krimis in der richtigen Reihenfolge:

Seit 20 Jahren erfolgreiche Autorin spannender Stoffe: Nicola Förg. Zusammen mit ihrer Familie sowie Ponys, Katzen und & Co. lebt sie auf einem Hof in Prem am Lech. Für ihre Bücher bekam sie mehrere Preise für ihr Engagement rund um Tier- und Umweltschutz. Foto ©: Florian Deventer

Welche wahren Verbrechen sie aufregen, ob Irmi Mangold bald in Rente geht und warum sie den Begriff "Regionalkrimi" nicht mag – Nicola Förg im Interview:

Was ist so schwer zu begreifen, dass man sich als Mensch in ökologisch fragilen Räumen bewegt, wo Mitgeschöpfe leben?

In deinen Krimis geht es bekanntermaßen nicht ausschließlich um die Täter(innen)suche, sondern auch um Themen wie Klimawandel, Umwelt- oder Tierschutz. Welche wahren Verbrechen an Tieren oder Natur regen dich besonders auf?

Nicola Förg: Was in meinen Büchern die Rahmenhandlung hinter dem Verbrechen bildet, ist leider in der Realität und im Buch wahr. Es ist das weite Feld dessen, dass die Freizeitnutzer keinen Respekt mehr vor der Natur haben. Was ist so schwer zu begreifen, dass man sich als Mensch in ökologisch fragilen Räumen bewegt, wo Mitgeschöpfe leben? Die wir brauchen für die Artenvielfalt, weil in der Natur ein Rädchen ins andere greift und der Mensch nur in und mit dieser Natur überleben wird!
Kleines Beispiel: das Reh! Es hat von den bei uns vorkommenden Wiederkäuern einen relativ kleinen Pansen. Es muss bis zu 11 Mal am Tag Nahrung aufnehmen und dazwischen wiederkäuen. Wenn es in diesem Zyklus durch unnötige Fluchten – z.B. durch nicht angeleinte Hunde! – mehrfach gestört wird, ist das gesundheitsschädlich bis tödlich. Es würde gerne „draußen“ Gras fressen, wird aber durch Landwirtschaft und Freizeitdruck immer weiter in den Wald getrieben und muss dann halt mal ein Bäumchen verbeißen. Das Reh ist kein Waldschädling, wenn man den Wald als Naturraum betrachten würde und nicht nur als Wirtschaftsraum. Unsere Wälder gebrechen an Monokulturen, am Klimawandel – nicht an Reh, Hirsch oder Gams. Wenn mich etwas aufregt, ist es das Halbwissen, das Nachplappern – auch in den Medien.

Hast du gute Kontakte zur Polizei oder wie sonst schaffst du es, die Polizeiarbeit in deinen Büchern so authentisch wirken zu lassen?

Nicola Förg: In der Tat „beschäftige“ ich eine ganze Reihe von guten Informanten, die aktiv im Polizeidienst sind, aber auch Rechtanwälte und sogar die Rechtsmedizin in München. Auch so ein Krimifehler, dass von Pathologen die Rede ist, es sind aber die Rechtsmediziner. Am Ende ist das alles aber immer nur eine Annäherung, denn echte Polizeiarbeit abzubilden wäre sehr langweilig. Viel Recherche, sehr viele Telefonate.

Krimispannung bei Weltbild entdecken

Ich schreibe eine Einstiegszene, die einen sofort in die Geschichte zieht, als erstes. Dann aber sehr früh den Schluss, diese famous last words.

Von John Irving wissen wir, dass er immer den Schluss seiner Bücher zuerst schreibt. Wenn du ein neues Buch planst, was steht beim Überlegen der Handlung für dich als Erstes – Motiv oder Mörder(in)?

Nicola Förg: Mein Ausgangspunkt ist immer ein Thema, das mich gepackt, berührt, gebeutelt hat. Wie der Missbrauch von Glyphosat, wie die Rückkehr der Wölfe, wie jetzt in Band 14 die industrielle Geflügelhaltung. Drum herum wird gemordet, und da halte ich es ganz ähnlich wie Irving. Ich schreibe eine Einstiegszene, die einen sofort in die Geschichte zieht, als erstes. Dann aber sehr früh den Schluss, diese famous last words. Das kann ich, weil ich den Handlungsverlauf für das gesamte Buch vorher in einem Pitch/Exposé durchgeplant habe. Ich will ja falschen Fährten legen, die logisch und nicht ungut konstruiert sind. Ich als Autorin muss wissen, wer der Täter ist. Warum er oder sie morden. Ohne ein gutes Skelett vergaloppieren sich Bücher gerne mal….

...auch eine Irmi Mangold, die nun 64 ist, wird mal aufhören. Dazu muss sie aber nicht sterben, ich gönne ihr noch ein paar gute private Jahre...

Nach mittlerweile 13 Bänden rund um Irmi Mangold und ihre Kolleginnen und Kollegen von der Garmischer Kripo frage ich mich, ob du schon mal mit dem Gedanken gespielt hast, einen von ihnen umzubringen. Kommt es – theoretisch! – in Frage, auch mal jemandem aus dem inner circle sterben zu lassen? Oder ist das tabu?

Nicola Förg: Ich mag meine Figuren, insofern würde ich sie nicht töten. Aber die Serie geht im Februar in die 14. Folge, es ist eine Ehre, dass sie so lange erfolgreich laufen durfte. Aber (fast) alle Serien werden womöglich mit dem x-ten Buch nicht besser - und auch eine Irmi Mangold, die nun 64 ist, wird mal aufhören. Dazu muss sie aber nicht sterben, ich gönne ihr noch ein paar gute private Jahre – und wenn ihr fad wird, könnte sie als eine Art Alpen Miss Marple ja womöglich weitermachen.

Du schreibst seit über 20 Jahren sehr erfolgreich Regionalkrimis, damit bist du eine ausgewiesene Expertin. Wenn du an das Genre denkst: welche Klischees über Bayern würdest du nie in deinen Büchern verarbeiten?

Nicola Förg: Beim Wort Regionalkrimi muss ich immer zusammenzucken und reingrätschen. Ich bin kein Freund des Begriffs, weil ich finde, jeder Krimi muss irgendwo verortet sein, ob Donna Leon in Venedig oder Wallander in Ystad. Die würde man auch nicht als Regionalkrimi bezeichnen. Mir geht es um Authentizität der Figuren – Landschaften prägen die Menschen, prägen ihren Humor und ihre Emotionalität. In den Alpen wohnt ein eigener Menschenschlag. Es gibt viel Licht, aber auch viel Schatten zwischen den hohen Bergen. Es gibt Gründe zu morden. Insofern nervt mich das Wort „Regionalkrimi“ erst recht in Verbindung mit Allgäu oder Alpen. In den letzten Jahren hat es sich in den Köpfen der Menschen so festgesetzt, dass ein Krimi aus dem Süden Schenkel klopfende Heiterkeit verbreiten muss. Das ist bestimmt legitim, weil es unterhält. Dabei scheinen Klischees zu helfen: Ermittler sind trottelig, essen nur boarische Fleischberge und tragen Dirndl. Auf Irmi und Kathi trifft das zumindest alles nicht zu.

Wer noch mehr von Nicola Förg hören und sehen möchte: die Autorin war 2021 bei #Weltbildliest zu Gast:

Franziska Kurz ist seit Juli 2020 Moderatorin bei #Weltbildliest. Seit 2015 bereichert sie mit ihrem Blog "franzi liest" die wunderbare Welt der Bücher und Buchfans. Als Literatur- und Kulturjournalistin ist sie regelmäßig zu Gast bei Radio und TV und schreibt für zahlreiche Frauen- und Lifestyle-Magazine. Das "Münchner Kindl" bezeichnet sich selbst als buch- und wortverliebt, als Taschensammlerin und Spasüchtige. Mehr von ihr auf www.franzi-liest.de.

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